03. September 2010
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Shoppingtipp: Zürich

Zürich

Clifford Lilley ist seit vielen Jahren einer der bekanntesten Stylisten und Imageberater weit über die Grenzen der Schweiz hinaus. Seine Wurzeln liegen in der Welt des Designs und Theaters. Clifford Lilley ist nicht zuletzt durch seinen dynamischen und charmanten Präsentationsstil bekannt geworden. Er ist eine oft gesehene und gefragte Persönlichkeit in den Medien. 1951 in Kapstadt geboren, lebt Clifford nun schon seit 1980 in Zürich, seiner Wahlheimat, die ihn stets aufs Neue fasziniert.

Wir sprachen mit Clifford Lilley über Modetrends, Lifestyle und Zürcher «Hideaways».

 
   
 

Clifford Lilley, als Mode- und Imageberater ist es nebst dem guten Geschmack sehr wichtig, selbst «trendy» zu sein. Wie betreiben Sie Trendscouting?

Ich sehe mich weniger als «trendy». Ich würde mich eher «trendbewusst» nennen. Mein Stil ist klassisch-modern. Weil ich als Stylist tätig bin, gehört es dazu, dass ich mich selber modisch kleide. Aber ich bin kein Fashion-Victim, der fast schon opfermässig jedem Trend folgen muss. Ich fühle mich im Gucci-Anzug genauso wohl wie in einer lässigen Kombination von Jeans und T-Shirt. Idealerweise unterstreichen die Kleider die Persönlichkeit des Trägers.

Trendscouting bedeutet für mich die Suche nach Quellen, die unseren Lifestyle und unsere Kleidung prägen und die neue Trends setzen. Es bedeutet für mich aber auch, über die aktuellen Modetrends informiert zu sein, sei dies durch hervorragende internationale Modejournalisten wie Suzie Menkes von der Herald Tribune oder auch durch unseren NZZ-Modejournalisten Jeroen van Rooijen. Diese tägliche Begegnung mit der Mode hält mich auf Trab.
 
Nebst der Inspiration durch Journalisten, Modeschöpfer und trendbestimmenden Modepublikationen versuche ich, so oft es mein Terminkalender erlaubt, internationale Modeschauen in Paris, Mailand und London zu besuchen.

Letztendlich sieht man auf den Strassen jeder Grossstadt Impulse für Modetrends, die einem auf neue Stylingideen bringen.

Trendscouting findet also auf der Strasse statt – auch auf der Bahnhofstrasse?

Die Bahnhofstrasse ist super fürs Shopping. Aber fürs Trendscouting geht man nach Paris, Mailand, London, Tokyo oder New York. Das sind Millionenstädte, wo ich nicht nur eine Chanel- oder Prada-Boutique pro Stadt, sondern eher eine pro Quartier finde!

Zürich hingegen ist zwar trendbewusst. Doch zeigt sich in der Bankenmetropole eher ein konservativer Modestil. Die Zürcher legen Wert auf Qualität und weniger auf den letzten Modeschrei. Sie folgen gerne Trends, können sich diese auch finanziell leisten, doch sind sie keine Trendsetter.

Haben Sie einen geheimen Shopping-Tipp für unsere Leserinnen und Leser, die sich mal besonders anziehen möchten?


Zürich bietet alles, was ein modisches Herz in Freude versetzt. Wenn ich mit meinen Personal-Shopping-Kunden in der Stadt auf Einkaufstour bin, schaue ich zuerst auf den Typ des Kunden und entscheide dann, welche Geschäfte in Frage kommen. Für diejenigen, die sich mal besonders anziehen möchten, empfehle ich Boutique Roma, Fidelio, Christa de Carouge oder Apartment Boutique. Für die modebewusste Frau sind Vestibule, Eclectic Lifestyle, Thema Selection, Ida Gut oder auch der Blaser-Markt die richtigen Adressen. Für alle, die einen klassisch-modernen Modestil mögen, empfehle ich Hannes B., Reto’s und Dolf Schmid an der Bahnhofstrasse. Für die Individualisten in der Mode bieten sicherlich Bruno & Moritz, Zoé, Salvatore Schito und Stereo interessante Einkaufsmöglichkeiten.

Kommen wir zurück auf Zürich. Wie würden Sie die Limmatstadt beschreiben?

Zürich ist für mich eine kosmopolitische Wohlfühloase inmitten einer hektischen Welt. Sowohl die neuen und trendigen Stadtkreise wie auch unsere Altstadt, das «Niederdörfli», ist mir mit seiner Vielfalt an Bars, Beizen und Boutiquen sehr ans Herz gewachsen. Ausserdem gefällt mir die Architektur der wunderbar erhaltenen Altstadthäuser. Die Limmatstadt ist wie ein grosser Schmelztiegel und Knotenpunkt, wo sich allerlei Menschen aus ganz Europa treffen. Ich liebe diese fliessende Energie, welche die Menschen miteinander verbindet, ohne die oberflächliche Hektik anderer Metropolen. Ich schätze mich glücklich, durch die Gassen von Zürich zu laufen; an jeder Ecke begegnet mir ein bekanntes Gesicht. Ich bewege mich wie ein echter Zürcher, was bedeutet, dass ich häufig zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs bin. Das ist für mich höchste Lebensqualität.

Das heisst, Zürich ist...

... klein und gemütlich, nicht so hektisch und doch kosmopolitisch und vor allem sauber. Die Stadt hat ein grosses Kunst-, Kultur- und Gastro-Angebot. Zürich ist an einer wunderschönen Lage mit See und Fluss und viel frischer Luft - einfach perfekt!

Wo gehen Sie am liebsten essen?

Für Sushi gehe ich ins Ginger, das traditionelle «Züri Gschnätzlets» esse ich in der Kronenhalle, wo ich nebst Monet und Chagall die spezielle Ambiance und das interessante Publikum geniesse. Und um sehen und gesehen zu werden gehe ich ins Kaufleuten, ins Terrasse und neuerdings in die Bärengasse und ins Saint Germain. Und zu guter Letzt ins Vipasa für einen unkomplizierten Teller Pasta.

Restaurant Kaufleuten, Zürich


Welches ist Ihre Lieblingsstadt?


Definitiv London!

Warum gerade London?

London inspiriert mich. Meine Vorfahren sind aus England und Schottland. Die Stadt ist für mich die Theatermetropole schlechthin. Ich liebe die Mode, die Literatur, die Parks und gross angelegten Gärten, die imposante Architektur, die Märkte wie zum Beispiel an der Portobello Road in Notting Hill, die zahlreichen Bücherläden, die Kunstgalerien wie die Tate Modern oder das V & A. Auch fürs Shopping von Kleidern, Vintage und Second Hand bietet London eine unschlagbare Auswahl an Mode. Und nicht vergessen: die Pubs and Clubs und das vielfältigste Essensangebot!

Ich liebe die Tradition, den Pomp und den üppigen englischen Stil. Die Stadt ist so lebendig. Es läuft so vieles, die Menschen mit ihrem Humor, ihrer Exzentrik und ihrer warmherzigen Freundlichkeit und Offenheit lassen mein Herz aufgehen. Man wird überall zu einem «Cup of Tea» eingeladen.

Reisen Sie gerne?

Ja, ich reise sehr gerne! Generell fühle ich mich in der mediterranen Umgebung sehr wohl: Griechenland, Frankreich, Spanien und Italien. Wenn ich an Italien denke, komme ich ins Schwärmen: Portofino, Capri, Sardinien... und egal wohin man geht, man isst einfach super! Italien ist die pure Inspiration.

Bleiben wir in Zürich, haben Sie in Zürich einen «Hideaway»?

Ja, in erster Linie unser Zuhause, die Villa Egli am Zürichsee, die im alten englischen Landhausstil gebaut wurde. Ich fühle mich sehr privilegiert, in diesem über hundert Jahre alten Haus wohnen zu dürfen. Der Garten ist ein üppiges, überwachsenes und romantisches Versteck hinter der beeindruckenden Kulisse des Hauses. Wir haben einen Feigenbaum, Rosen, Lavendel, Geranien und verschiedenste Küchenkräuter. Im Sommer teile ich meinen Hideaway mit «Special Guests» bei einem gemütlichen Barbecue.

Ich gehe aber auch sehr gerne raus in die Natur und liebe das Wandern. Die Alpen im Sommer sind einfach traumhaft. Das Appenzellerland, Stein am Rhein, Einsiedeln, der Vierwaldstättersee oder auch das nahe gelegene Zürcher Oberland gefallen mir sehr. Ich geniesse die Natur und die tolle Aussicht.

Und schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?


Ich würde die politische Macht nutzen, um den Hunger und die Armut auf der Welt innerhalb nützlicher Frist zu beenden. Unter meiner Führung gäbe es genug Geld und Essen für alle.

Vielen Dank für das Interview.

Interview: Eva Stiefel

 

 

 

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Villa Egli

Villa EgliVilla Egli am Zürichsee, welche im alten englischen Landhausstil gebaut wurde. Lilley: "Ich fühle mich sehr priviligiert, in diesem über hundert Jahre alten Haus wohnen zu dürfen. Der Garten ist ein üppiges, überwachsenes und romantisches Versteck hinter der beeindruckenden Kulisse des Hauses. Wir haben einen Feigenbaum, Rosen, Lavendel, Geranien und verschiedenste Küchenkräuter. Im Sommer teile ich meinen Hideaway mit „special guests“ bei einem gemütlichen Barbecue."

Rest. Kronenhalle

Restaurant KronenhalleDie legendäre Wirtin Hilda Zumsteg eröffnete die Kronenhalle, ihr Sohn Gustav Zumsteg machte das Restaurant zum berühmtesten Lokal der Schweiz. Hier trifft man internationale Prominanz aus Showbusiness, Kunst, Mode, Sport und Politik.

Bruno & Moritz

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