Cigolini: Wir betrachten die Schweizer als Freunde und angenehme Nachbarn,
change.ch sprach mit Dr. Chiara Cigolini, der neuen Geschäftsführerin
der Italienischen Zentrale für Tourismus ENIT Schweiz, über die
Reisedestination Italien. Sie verriet uns, welche Sehenswürdigkeiten
wir in dieser Jahreszeit auf keinen Fall verpassen dürfen und wie
beliebt die Schweizer bei unseren südlichen Nachbarn sind.
Frau Cigolini, aus Genua stammend, hat ihr Wirtschaftsdiplom an der
Universität Luigi Bocconi in Mailand abgeschlossen, wo sie zusätzlich
ein Master in Tourismuswirtschaft erlangte. Drei Jahre war Frau
Cigolini im Hauptsitz in Rom tätig, zuerst in der Administration und
dann in der Presseabteilung. Bevor sie in die Schweiz kam, war sie
mehrere Jahre bei ENIT Frankfurt tätig.
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Frau Cigolini, Sie sind vor zwei Monaten aus Deutschland in die Schweiz gezogen. Wie fühlen Sie sich in Ihrer neuen Umgebung?
Zürich ist eine multikulturelle Stadt, in der man sich sofort wohl fühlt. Ich kannte die ENIT-Mitarbeiter in Zürich bereits bestens, da die Niederlassung in der Schweiz unter der Führung von ENIT Frankfurt amtiert.
Sie haben ENIT Schweiz in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld übernommen. Wie beurteilen Sie den aktuellen Reisemarkt?
2009 ist ein schwieriges Jahr für die ganze globale Wirtschaft. Auch die Tourismusbranche ist von dieser Krise nicht verschont geblieben. Trotzdem haben nahe liegende Regionen sowie der ganze Mittelmeerraum in diesem Jahr sicherlich weniger darunter gelitten.
In Italien zum Beispiel haben viele Dienstleister ihr Angebot an die Bedürfnisse der Reisenden angepasst und bieten nun mehr Nischenprodukte wie Ausflüge in die Natur, Sportaktivitäten und kulinarische Kurzaufenthalte an.
Die Schweiz und Deutschland haben eine solide Marktwirtschaft und eine hohe Kaufkraft, die dazu führen, dass sie noch weniger von der Krise gespürt haben als das Reiseland Italien.
Italien hat dieses Jahr eine globale Werbekampagne lanciert: «Italia - much more». Was steckt eigentlich hinter dieser Botschaft?
Der Slogan «Italia – much more» soll auf das vielfältige Angebot des Reiselands Italien aufmerksam machen. Italien ist ein Mosaik mit abwechslungsreichen Facetten, das Touristen unzählige Entdeckungsreisen ermöglicht.
Welches Reiseangebot empfiehlt ENIT Schweiz zu dieser Jahreszeit?
Italien bietet zur jeder Jahreszeit eine Fülle von Möglichkeiten. Es befriedigt alle Geschmacksrichtungen und Bedürfnisse der Reisenden. Im Herbst stehen zahlreiche Festivals, Ausstellungen und Opernausführungen in verschiedenen Städten auf dem Programm. Dank dem milden Klima können Sie die Natur und das Meer so richtig geniessen.
Haben Sie eine Lieblingsdestination?
Jede Ecke in Italien strahlt eine eigene Authentizität aus und verdient Erwähnung. Da ich aus Ligurien stamme, schlägt mein Herz natürlich für diese Region. Trotz ihrer Überschaubarkeit bietet sie eine Fülle von Erlebnismöglichkeiten und Landschaften vom Meer bis hin zur Berglandschaft. Die Altstadt von Genua, Portovenere und die Cinque Terre, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, sind sicher einen Besuch wert.
Welche italienischen Destinationen stehen bei den Schweizern hoch im Kurs?
Besonders beliebt sind Kunst- und Kulturstädte sowie Natur- und Aktivferien.
Wie beliebt sind die Schweizer bei den Italienern?
Wir betrachten die Schweizer als Freunde und angenehme Nachbarn, also willkommene Gäste. Ausserdem sind die Schweizer als treue und zuverlässige Italienreisende bekannt. Sie sind sehr anspruchsvoll, schätzen die Qualität und achten sehr auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wo sehen Sie in der Zusammenarbeit mit der Schweizer Reisebranche noch Verbesserungspotential?
Unser Ziel ist es, die Schweizer Konsumenten besser kennen zu lernen. So können massgeschneiderte und innovative Reiseangebote entwickelt werden, die noch besser den Bedürfnissen der Schweizer entsprechen.
Barack Obamas Slogan lautet: «Change – Yes We Can!» Frau Cigolini, wie lautet Ihr Slogan?
Obamas Slogan soll als Ansatz dienen, stets nach neuen Herausforderungen zu suchen, über den Alltag hinaus zu schauen und sich als Teil dieser entwicklungsreichen Welt zu fühlen. Diese Einstellung passt perfekt zur touristischen Situation unseres Landes. Wir sollen mit Zuversicht und Bestimmtheit in die Zukunft schauen. Mit dem Willen, den bevorstehenden Wandel mit viel Elan in Angriff zu nehmen.
Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?
Die Welt benötigt dringend globale Änderungen wie das Ende aller Kriege. Wichtig ist, dass wir alle jeden Tag einen Beitrag für unsere Mitmenschen und Umwelt leisten.
Frau Cigolini, ich danke Ihnen für das Interview.
Interview: Antonio Iacovazzo, Oktober 2009