Am 26. Oktober 2005 fand der RONDO Business Event im Zunfthaus zur Schneidern, Zürich, zum Thema «Wachstumsmarkt China» statt. Über 50 Unternehmer und Führungskräfte nahmen daran teil. Keynote-Speakers waren Lucas Schellenberg, Geschäftsführer der mi Executive AG, sowie Dr. iur. Lukas Wyss, Partner bei Bratschi Emch Rechtsanwälte.
Lucas Schellenberg ging in seinem Vortrag «China: eine interkulturelle Herausforderung» auf die Art und Weise ein, wie Chinesen gesellschaftlich organisiert sind, wie sie denken, fühlen, arbeiten, kommunizieren und mit anderen Menschen umgehen. Immer unter dem Aspekt, was dies für einen westlichen Manager im Umgang mit chinesischen Geschäftleuten bedeutet. Pointiert wies er auf Eigenheiten hin, welche hierzulande problemlos geduldet werden, wie beispielsweise das Schnäuzen an Tisch, in China sehr verpönt ist.
Als grösster Unterschied erachtet Schellenberg, dass westliche Manager in erster Linie die sachlichen, logischen und technischen Aspekte ihrer Arbeit beachten. Wir kapseln unser Privatleben vom Job ab, orientieren uns an messbaren Ergebnissen, schätzen Experten und sachliche Analysen, vertrauen im Streitfall auf Sachargumente, Verträge und Gesetze und trennen zwischen Privat- und Geschäftsleben, Freunden und Kollegen.
Chinesen hingegen konzentrieren sich mehr auf die menschliche Aspekte der Arbeit und auf die Personen, mit denen sie im Job zu tun haben. Sie investieren viel Zeit und Energie in Privat Small Talk, um Beziehungen und Vertrauen aufzubauen, achten auf Prestige und bewerten Harmonie am Arbeitsplatz höher als ein sachliches Ergebnis. Sie versuchen, ein gutes Ergebnis durch Rücksichtnahme auf alle an der Aufgabe Beteiligten zu erreichen. Als Beziehungskünstler, Personen mit hohem sozialen IQ, vertrauen sie in Streitfällen auf Autoritäten und Mittler. Sie mischen Privat- und Geschäftsleben; Kollegen sind Freunde.
Dr. iur. Lukas Wyss wies in seinem Referat «Doing Business in China» auf die speziellen Herausforderungen rechtlicher und politischer Natur hin. Hier trifft abendländische Gesetzesmoral auf asiatische Beziehungsmoral. Bei uns entscheiden Prinzipien und Sachzwänge und man erreicht Sicherheit durch detaillierte Verträge und Gesetze. Nach Unterzeichnung eines solchen detaillierten Vertrages ist für uns das Ziel erreicht und nachträgliches Verhandeln ist weder nötig noch erwünscht. Wir fühlen uns durch den Vertrag abgesichert.
In China entscheiden Personen - Sicherheit erreicht man durch Pflege von Beziehungen und Freundschaften. Kollektivismus und Hierarchien sind bei Vertragsangelegenheiten sehr wichtig, trotz der Tatsache dass China seit vier Jahren WTO-Mitglied ist und dadurch gewissen rechtlichen Auflagen unterliegt.
Chinesen denken nicht, das man von vornherein alle Eventualitäten berücksichtigen und festschreiben kann, sondern erwarten, dass man je nach sich ändernder Situation immer wieder über Änderungen verhandelt. Probleme entstehen demnach oft, da die eine Seite sich an Verträge hält und die andere diese nur als situativ gültig erachtet. Wyss betonte denn auch, dass es unbedingt notwendig sein, eine Vertrauensperson vor Ort zu haben, welche auf die sozialen Eigenheiten wie auch auf das chinesische Rechtsverständnis hinweist.
Wagt ein Unternehmen den Schritt nach China, nennt Wyss als Hauptrisiken denn auch ökonomische und finanzielle Risiken (Wechselkurse, Konvertierbarkeit, Transferrisiken), rechtliche und politische Risiken (Mangel an Information, Transparenz, Konzessionen, Bewilligungen, Enteignungen, Rechtssicherheit, Rechtssystem) und Korruption. Er legt nahe, Absicherungsstrategien zu prüfen und zu implementieren, wie auch sich bereits vorgängig mit Ausstiegsszenarien zu befassen.
Für RONDO Business Event: Karin Bosshard, Buonsenso GmbH
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