16. Januar 2009
Expansion staatlicher Medien soll Meinung der Welt beeinflussen
Eine Gruppe der größten, staatlich kontrollierten Medienorganisationen
Chinas will in den kommenden Jahren Mrd. von Dollar investieren und die
eigene Expansion rund um den Globus vorantreiben. Hinter den Plänen ist
laut Einschätzung vieler Experten der Versuch der chinesischen
Regierung zu sehen, das eigene angeschlagene Image im Rest der Welt
aufzupolieren. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen sich die
mittlerweile äußerst wohlhabenden chinesischen Mediengiganten künftig
nicht nur verstärkt um die Akquirierung internationaler Medienposten
bemühen, sondern auch eigene Büros und Vertretungen im Ausland
aufbauen, die durch Berichte in Englisch und anderen Sprachen die
Meinung der Welt über China mitbestimmen sollen. Wie die Zeitung
International Herald Tribune berichtet, sehen die entsprechenden Pläne
der Regierung sogar die Errichtung eines 24-Stunden-Nachrichtenkanals
nach Vorbild des arabischen TV-Senders Al Jazeera vor.
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"Das Image Chinas wird in der restlichen Welt sehr ambivalent wahrgenommen", erklärt Rüdiger Frank, Ostasien-Experte und Professor für Wirtschaft und Gesellschaft am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien http://ostasien.univie.ac.at , im pressetext-Gespräch. Zum einen gebe es sicher auch heute noch einige alte Vorbehalte aus der Zeit des Maoismus, die das Ansehen des Landes in der westlichen Welt belasten. Zum anderen sei insbesondere in Wirtschaftskreisen aber nicht selten auch eine große Euphorie und Begeisterung zu spüren, wenn das Thema China aufkommt. "Viele Wirtschaftstreibende drücken im Interesse der Märkte ein Auge zu, wenn es um die Menschenrechtsdebatte geht. Insgesamt gesehen ergibt sich so ein relativ komplexes Bild. Man kann aber nicht sagen, dass das Image Chinas in der Welt völlig kaputt am Boden liegt", betont Frank.
Auch wenn man sich in der Bevölkerung in den verschiedenen westlichen Ländern umhöre, lasse sich keine einheitliche Meinung zu dieser Frage finden. "In diesem Zusammenhang darf man nicht außer Acht lassen, dass speziell in Europa und den USA immer noch eine gewisse grundsätzliche Angst vor nicht-demokratisch geführten Ländern wie China verbreitet ist", merkt Frank an. Mit den Unruhen in Tibet und den Olympischen Sommerspielen in Peking hätten aber auch zwei konkrete Ereignisse der jüngeren Vergangenheit die Wahrnehmung des Images der aufstrebenden Wirtschaftsmacht rund um den Globus beeinflusst. "Die Berichterstattung der internationalen Medien zu diesen beiden Themen war nicht immer unproblematisch. Gerade die Olympischen Spiele haben aber meiner Ansicht nach klar gezeigt, dass eine objektive Haltung der Medien zu China durchaus möglich ist", meint Frank.
Von Seiten der chinesischen Regierung will man die aktuell durchgesickerten Imagekorrekturpläne nicht bestätigen. "Es gibt zwar noch keine konkreten Finanzierungspläne für diese Expansions- und Imagekampagne. Aber auch wenn noch nicht ganz klar ist, was genau die Regierung umsetzen will, fest steht, dass sie es tun wird", bestätigt Yu Guoming, Vizedekan der Pekinger Journalismusschule Renmin University http://english.ruc.edu.cn gegenüber dem International Herald Tribune. "Ich halte diese Pläne Chinas durchaus für sinnvoll. Jedes Unternehmen betreibt heute Public Relations, warum sollte dies nicht auch ein Staat tun dürfen", so Frank abschließend.
Quelle: pressetext.ch
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