Die neue Generation der CEOs
change.ch im Gespräch mit Peter Vogel, Founder und Managing Director von Jobzippers.
change.ch: Peter, wie kam es, dass Du nach Deinem Studium keine klassische Corporate Career eingeschlagen hast und stattdessen zum Unternehmer wurdest?
Peter Vogel: Während meines Maschinenbaustudiums an der ETH und am Georgia Institute of Technology in den USA kam für mich eigentlich nur der Einstieg in die Unternehmensberatung in Frage. Als zum Studienende hin die Hiring-Aktivitäten der grossen Consulting-Firmen konjunkturbedingt zurückgingen, überlegte ich es mir anders. Zudem hatte ich bereits ein Jahr zuvor die Firma Jobzippers Ltd mitbegründet, und es wäre schade gewesen, wieder auszusteigen. Ich begann an der EPFL in Lausanne an meiner Doktorarbeit im Bereich Unternehmertum zu schreiben und forcierte parallel dazu den Aufbau von Jobzippers.
|
|||
Ist die klassische Corporate Career ob all der schlechten Nachrichten über die Businesswelt bei den Hochschulabgängern in Verruf geraten?
Ja, das denke ich. Ich selbst sehe mich als Teil einer neuen Generation von Absolventen, die ihre Berufung nicht im Dienst der Grosskonzerne sucht, sondern einen unmittelbaren Nutzen ihrer Handlungen sehen möchte. Auf dem diesjährigen St. Gallen Symposium wurde dieses Thema intensiv diskutiert. Als junge Unternehmer standen wir in direktem Kontakt mit CEOs global operierender Konzerne. Der «War for Talents» trifft Grosskonzerne härter als alle anderen Arbeitgeber, da die Möglichkeiten für die Arbeitnehmer, sich innerhalb gefestigter Strukturen unternehmerisch zu betätigen, sehr gering sind. Diese Situation war auch einer der Beweggründe zur Gründung von Jobzippers.
An zahlreichen Karrieremessen an den Universitäten sind eine Vielzahl von Unternehmen präsent, auch Stellenportale gibt’s zuhauf. Was bietet Jobzippers Neues?
Jobzippers ist das erste Europäische Career-Center-Netzwerk, das einerseits eine länder- und themenübergreifende Karriereplattform schafft und anderseits die Hochschulen mit funktionalen Career Centern ausstattet. Während einzelne Universitäten wie etwa die HSG unter Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel ein funktionales Career Center aufgebaut haben, stehen rund 90 Prozent der Unis keine solchen Ressourcen zur Verfügung. Heute können Studenten häufig nur auf Karrieremessen einen Einblick in die Corporate Career gewinnen. Unternehmen jenseits des Banken- und Consultingsektors müssen ihre Recruiting-Aktivitäten auf einige wenige Universitäten beschränken, da weder zeitliche noch finanzielle Ressourcen ausreichen, um alle Hochschulen abzudecken. Diese Lücke wollen wir bei Jobzippers mit unseren Dienstleistungen schliessen.
Wie sehen diese Dienstleistungen aus?
In erster Linie möchten wir Studenten dabei behilflich sein, ihre individuelle Karriere zu gestalten. Sei diese nun akademischer, unternehmerischer oder sozialer Natur. Die Studierenden sollen sich an einem Ort ganzheitlich informieren können.
Den Unternehmen möchten wir mit unserer innovativen Technologie zur Seite stehen, um zielgerichtet und grenzüberschreitend die passenden Kandidaten rekrutieren können. In dem sie auf unsere Datenbank Zugriff haben und gezielt die Leute anschreiben können, welche dem gesuchten Profil entsprechen. Somit können auch die Rekrutierungsabläufe künftig kostengünstiger gestaltet werden.
Die Universitäten statten wir mit funktionalen Career Centern aus, die wir, sofern gewünscht, auch für sie betreuen. Auch stellen wir unser Know-how beim Aufbau von Alumni-Strukturen zur Verfügung.

Welche Rahmenbedingungen hast Du als Jungunternehmer in der Schweiz angetroffen?
Die Schweiz bietet für Jungunternehmer ein tolles Umfeld. Die Chancen, etwas bewegen zu können, sind gross. So zeigt gerade die Eidgenossenschaft grosses Interesse und Engagement bei der Förderung von Start-ups. Die Förderagentur für Innovation des Bundes CTI fördert den Wissens- und Technologietransfer zwischen Unternehmen und Hochschulen und unterstützt den Aufbau von Start-ups. Bei Jobzippers können wir von den Erfahrungen und vom Netzwerk unseres CTI-Coachs profitieren. Einige Türen haben sich durch seine Kontakte für uns bereits geöffnet.
Welche Risiken muss ein Start-up-Unternehmer auf sich nehmen? Welche Hürden gilt es zu meistern?
In zu schnellem, überwiegend fremdfinanziertem Wachstum sehe ich eines der Hauptrisiken. Einerseits sind Start-ups für grössere Wachstumsschritte auf Fremdkapital angewiesen, anderseits kann jedoch durch die Einflussnahme von aussen das bisher von innen her gewachsene Unternehmen aus den Fugen geraten.
Welche Erfahrungen habt ihr bei Jobzippers bisher gemacht?
Noch befinden wir uns in der Startphase – bisher haben wir uns selbst finanziert. Doch auch wir sehen uns gezwungen, uns für weitere Wachstumsschritte zu verschulden. Mittelfristig planen wir die Aufnahme von Venture Capital, um unsere Aktivitäten und Kapazitäten ausbauen zu können. Doch der Venture-Capital-Markt befindet sich derzeit in einer Umbruchphase. Der Risikoappetit der Investoren war schon mal grösser.
Wie siehst Du die zukünftigen Möglichkeiten für Hochschulabsolventen, eine Entrepreneurial Career statt einer klassischen Corporate Career einzuschlagen?
Damit die Schweiz weiterhin kompetitiv und innovativ bleibt, muss dem Karriereweg als Unternehmer auf institutioneller Ebene zu mehr Gewicht und einer stärkeren Stimme verholfen werden. Wir erachten es als zentral, dass Studierenden noch vor Ende ihrer Hochschulausbildung alle möglichen Wege ganzheitlich aufgezeigt werden. In Zukunft soll den künftigen Graduates auch der Weg in die Selbständigkeit als Möglichkeit aufgezeigt werden. Hier sehen wir längerfristig Handlungsbedarf im Bereich des Hochschulmarketings.
Dein Unternehmen Jobzippers gibt’s seit knapp zwei Jahren. Wohin soll die Reise in den nächsten drei Jahren führen?
Im Zentrum steht für uns das Bestreben, unser Dienstleistungsangebot zu vergrössern und zur Marktreife zu führen. Weiter arbeiten wir intensiv am Ausbau des bestehenden Netzwerks und am Aufbau neuer grenzüberschreitender strategischer Partnerschaften. Langfristig möchten wir unserem Anspruch als europäisches Karrierenetzwerk gerecht werden und weitere Märkte ausserhalb der Schweiz erschliessen.
Peter, vielen Dank für dieses Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Juni 2010