18. Mai 2012
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Interessant!

Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen "Change" würden Sie realisieren?

Eric Syz, Gründungsmitglied und General Manager der Bank Syz & Co. AG

Eric Syz, Gründungsmitglied und General Manager der Bank Syz & Co. AG: "Hätte ich diese Macht, würde ich nicht viel verlangen. Lediglich, dass unsere Finanzindustrie im gleichen Masse die Unterstützung seitens der Behörden und der Medien erfährt, wie dies bei unseren Konkurrenten der Fall ist. Es ist interessant festzustellen, dass sich die angelsächsische Presse stets auf die Seite ihres Finanzplatzes schlägt, während wir einen gewissen Hang zur Selbstgeisselung pflegen. In der Schweiz gehört es zum guten Ton der Medien, systematisch die Banken zu kritisieren, während uns die öffentliche Meinung weitgehend wohlgesinnt ist."


Change ist...

Renate Schwob«Change steht für mich für Umdenken, Neuanfang, neue Ziele in der Politik wie im Leben jedes Einzelnen. Change heisst nicht nur: Bestehendes verändern, sondern auch: Bestehendes über Bord werfen, wenn es neuen Zielen im Weg steht.» (Renate Schwob, Leiterin Finanzmarkt Schweiz) weiter »


Samy Liechti«Change ist Alltag. Wenn ich mir vorstelle, wie die Welt 1988, als ich mein Studium angefangen habe, ausgeschaut hat und in welcher Welt wir heute leben, so hat sich sehr viel verändert. Veränderungen werden weiterhin eine Konstante bleiben.» (Samy Lichti, Gründer Blacksocks) weiter »


Joachim H. Strähle«Wichtig ist, dass „Change“ immer auch als Chance gesehen und genutzt wird. Dies gilt auch für die aktuelle Situation. Sie birgt ebenfalls Potenzial, Altlasten zu eliminieren und Neues sowie Besseres auf die Beine zu stellen.» (Joachim H. Strähle, CEO Bank Sarasin) weiter »


Dr. Fleur Platow«Darunter verstehe ich die Kraft, traditionelle Werte flexibel mit der Tendenz des Wandels zu vereinbaren, die via Technologie und Globalisierung unser tägliches Leben beherrscht.» (Dr. Fleur Platow, Finanzexpertin) weiter »


Amstutz: «Ich sehe in absehbarer Zeit einen Goldpreis von bis zu 1'800 Dollar pro Unze»

Markus W. AmstutzMarkus W. Amstutz ist Geschäftsführer und Fondsmanager von Rohstoff-Futures-Fonds bei der Future Trade AG in Zürich, die sich auf den Handel mit Rohstoffderivaten spezialisiert hat. Als «Certified US Commodity Futures Spezialist» verfügt er über bedeutende Erfahrungen im Handel mit Rohstoff-Futures-Kontrakten, die er während seiner langjährigen Karriere als Commodity Broker erwarb. Zudem ist Markus W. Amstutz Verwaltungsrat beim IFR Institute for Financial Research, einem Anbieter von umfassenden Anlagekonzepten im Rohstoffbereich.

change.ch sprach mit dem Rohstoff-Spezialisten über die besten Strategien für den aktuellen Rohstoff-Markt.


 
   
 

Das Rohstoff-Jahr 2010 fiel aus Anlegersicht bisher nicht ertragreich aus. Konjunktursorgen und die Flucht vieler Investoren aus risikoreichen Anlagen haben die Preise gedrückt. Herr Amstutz, wie würden Sie die aktuelle Lage an den Rohstoffmärkten beschreiben?

Rohstoffmärkte sind keine Einbahnstrassen. Mit dem Einbruch der Aktienmärkte wurde eine bedeutende Menge an Kapital, das in Rohstoffe und deren Zertifikate investiert war, abgezogen. In der Folge entwickelte sich eine negative Preisspirale mit einer anhaltend hohen Volatilität. Viele Anleger spüren diese Entwicklungen direkt in ihren Portfolios, da sie auf passive Indexprodukte gesetzt haben. Diese Instrumente sind nicht geeignet, in einer solchen Marktsituation vor Verlusten zu schützen oder sogar positive Renditen zu erzielen.

Wie lässt sich in dieser Situation dennoch eine positive Rendite erzielen?

Es fällt auf, dass vor allem aktiv gehandelte Rohstoff-Futures, so genannte Rohstoff-Futures-Funds oder Managed-Futures-Accounts, in der jetzigen Situation positive Renditen erzielen können. Die meisten Anleger verfolgen eine Anlagestrategie, bei der sie Produkte kaufen und auf steigende Kurse hoffen. Um die Rendite auch bei fallenden Kursen zu optimieren, gestattet es die Anlagestrategie eines Rohstoff-Futures-Funds, entsprechende Positionen «short» zu halten. Mit dieser Strategie kann das Vermögen auch in einem negativen Marktumfeld vergrössert werden.

Da wir Rohstoff-Futures «long» und «short» über ein Margen-Konto handeln, können wir die gefürchteten Rollverluste umgehen, was den Kunden einen zusätzlichen Mehrwert generiert. Wir kaufen den Rohstoff also nicht physisch, sondern hinterlegen einen von der Börse festgesetzten Betrag pro Rohstoff.

Soll eher in einzelne Rohstoffe oder diversifiziert investiert werden?


Ich rate unbedingt zur Diversifikation. Während die Preise der einzelnen Rohstoffe öfters starke Ausschläge verzeichnen, bringt eine Vielzahl von Rohstoff-Positionen die gewünschte Stabilität und Risikoverteilung ins Portfolio. Das liegt an der tiefen Korrelation der einzelnen Rohstoffe untereinander. Ergibt sich für eine einzelne Position ein Volatilitätsrisiko von 40 Prozent, kann dieses bereits mit fünf bis zehn verschiedenen Positionen reduziert werden.

Wie sieht eine optimale Diversifikation aus?

Es wird mit möglichst vielen Rohstoff-Positionen diversifiziert und darüber hinaus auch ein proaktives Money- und Risikomanagement angewendet. Damit partizipiert man sowohl «long» als auch «short». Für unsere Kunden diversifizieren wir über alle Rohstoff-Sektoren: Metalle, Soft Commodities, landwirtschaftliche Produkte, Energie und Fleische. Dabei sprechen wir immer von standardisierten Produkten, die an regulierten und überwachten Börsenplätzen gehandelt werden. Exotische und illiquide Produkte wie Palmöl, Kautschuk oder Reis haben in einem Rohstoffportfolio nichts verloren.

Wie verhalten sich institutionelle Anleger mit Blick auf Rohstoff-Invest-ments? Wie könnte aktuell eine sinnvolle Portfolio-Beimischung aussehen?

Idealerweise machen Rohstoffe etwa fünf bis zehn Prozent des Anlagevolumens eines Portfolios bei einem Zeithorizont von mindestens drei bis fünf Jahren aus. Sowohl institutionelle wie auch qualifizierte private Anleger haben in den letzten Jahren zunehmend den Wert und Nutzen von Rohstoffen für das eigene Depot erkannt. Ich bin überzeugt, dass der Markt für Rohstoffanlagen nach wie vor wachsen wird, ungeachtet der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Gold Chart Jan. - Sept. 2010Thema Gold: Auf das Statement der Fed vom 21. September 2010 reagierte der Goldpreis mit einem weiteren Sprung nach oben. Wird die Rekordfahrt weiter anhalten?


Ja. Es ist allerdings zu erwarten, dass Gewinn-Mitnahme-Verkäufe einsetzen und den Preis kurzfristig wieder nach unten drücken, sollte Gold tatsächlich weiter ansteigen.

Am 24. September 2010 haben wir erstmals die Marke von 1'300 Dollar pro Unze durchbrochen. Ich sehe in absehbarer Zeit einen Goldpreis von rund 1'500 bis 1'800 Dollar pro Unze aus zwei Gründen:

Erstens hat Gold im Gegensatz zu anderen Edelmetallen die absurde Eigenschaft, dass der Preis auch steigt, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht. Das liegt vor allem daran, dass Gold kaum sinnvoll verwendet wird. Nur zwölf Prozent der weltweiten Produktion werden von der Industrie genutzt – ansonsten ist Gold allein zur Schmuckproduktion gut, und eben als Investment und «Safe Haven» gesucht.

…und der zweite Grund?


Zweitens ist Gold ein knappes Gut mit begrenzten Vorräten. Pro Jahr werden ungefähr 2'500 Tonnen Gold gewonnen. Die heute bekannten Goldvorräte betragen nach Schätzungen insgesamt noch ungefähr 89'700 Tonnen. Man unterscheidet dabei zwischen «wirtschaftlichen» und «gesamten» Reserven. Die wirtschaftlichen Reserven von rund 41'500 Tonnen repräsentieren diejenige Menge, die mit dem heutigen Stand der Technik abgebaut werden kann. Die gesamten Reserven umfassen rund 89'700 Tonnen, also auch den Teil, bei dem mit einem erschwerten und finanziell höheren Aufwand für den Abbau gerechnet werden muss.

Wenn man jetzt die Rechnung macht und sich fragt, wie lange die Goldförderer noch Arbeit haben, dann kommt man im besten Fall auf 36 Jahre – 89'700 Tonnen geteilt durch 2'500 Tonnen. Etwas provokativ gesagt: in 36 Jahren werden die Minen schliessen müssen, falls keine weiteren Reserven entdeckt werden.

Welche Bedeutung geben Sie den Rohstoffen in der Zukunft?

Rohstoffe werden in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle einnehmen, um Portfolios abzusichern und zu optimieren. Waren bis anhin auch Aktien etwa von Minenunternehmen beliebt, setzt sich bei den Anlegern immer mehr die Einsicht durch, dass diese einer von den Rohstoffmärkten sehr verschiedenen Logik gehorchen. Wenn zum Beispiel eine Minengesellschaft wegen Stromausfall kein Platin mehr abbauen kann, fällt ihr Aktienkurs, während der Preis des Platins steigt, da das Angebot knapper wird. Dieses Problem löst nur eine Investition in den Rohstoff selbst.

Gold Silver RatioVerraten Sie uns Ihren persönlichen Rohstoff-Anlage-Tipp?

Erinnern Sie sich an die Gold-Silber-Ratio? Vor einigen Jahren hat diese Ratio rekordverdächtige 80 übertroffen. Man konnte sich also damals mit einer Unze Gold über 80 Unzen Silber kaufen. Aktuell beträgt diese Ratio rund 61. Je tiefer diese Ratio fällt, desto höher liegt der Silberpreis relativ zum Gold.

Meine ganz persönliche Prognose ist, dass die Gold-Silber-Ratio in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf 40 oder noch tiefer fallen dürfte. Steigt also die Unze Gold auf 1'800 Dollar, dann könnte der Silberpreis auf sagenhafte 40 bis 50 Dollar pro Unze steigen.

Wie können sich Investoren gegen allfällige Kursstürze absichern? Was ist bezüglich der Timing-Frage zu beachten?

Obwohl die Preise für den Einstieg in die Rohstoffmärkte im Moment günstig erscheinen, ist der Zeitpunkt im Prinzip egal. Jede Marktsituation birgt Chancen, um mit dem richtigen Instrument eine positive Rendite zu erzielen. Kursstürze schaffen unter diesen Gesichtspunkte attraktive Möglichkeiten, um mit einer aktiven Long-Short-Strategie auch von fallenden Märkten zu profitieren. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Diversifikationsvorteile dann am stärksten sind, wenn es an den Aktien- und Obligationenmärkten turbulent wird.

Herr Amstutz, wir danken Ihnen für das Interview.



Interview: Zoran Bozanic, September 2010

 

 

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