Griechische Tragödie und Euro: Differenzierung ist angesagt
Dr. Thomas Steinemann
Chefstratege der Vontobel-Gruppe
Die Bilanz der Aktienmärkte in diesem Jahr fällt bis jetzt gemischt aus. Gemessen am Welt-Aktienindex von Morgan Stanley sind die Aktien in diesem Jahr bisher seitwärts gelaufen, obwohl die Berichtsaison der Unternehmensgewinne sehr gut verlief und sowohl der Gewinn als auch der Umsatz bei den meisten Unternehmen positiv überraschten.
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Allerdings sind die regionalen Unterscheide aufschlussreich. So hat bei den entwickelten Ländern der Schweizer Aktienmarkt die Nase vorn mit einer positiven Performance in diesem Jahr, während Europa und Asien im Minus liegen. Ein Cocktail schlechter Nachrichten verdarb den Anlegern die Freude an den guten Unternehmensergebnissen. Hierzu gehörten die Bremsmanöver der chinesischen Notenbank zur Beruhigung des ausgesprochen dynamischen Wirtschaftswachstums und die unklare Situation über das weitere Vorgehen in der «Sache Griechenland» und damit Fragen zum Euro. Differenzierung ist nun angesagt. Die Massnahmen der chinesischen Behörden zur Begrenzung des Kreditwachstums sind eindeutig zu begrüssen, denn die Überhitzungserscheinungen in China haben zugenommen.
Die Massnahmen - ob sie ausreichen, wird sich weisen - zu einer gesunden Bremsung sind grundsätzlich nachhaltig und sind nicht Ausdruck einer kurzfristigen Maximierung der Wirtschaftsleistung. Sie sind deshalb positiv für China und die Finanzmärkte. Es ist nicht wirklich einleuchtend, warum sich die globalen Investoren nachhaltig aus den Emerging Markets verabschieden sollen, nur weil ein «Schwindler» den Euro in Bedrängnis bringt. Die Emerging Markets sind die einzig übriggebliebene Region, welche in den kommenden Jahren substantiell wachsen wird und in welcher die meisten Länder notabene kaum verschuldet sind.
Im Hinblick auf den Euro und Griechenland ist eine Differenzierung der Länder angezeigt. Im Gegensatz zur griechischen Staatschuld von rund 120% des Bruttoinlandproduktes beträgt die geschätzte spanische per Ende 2009 nur rund 55% und damit um rund 20% weniger als jene Deutschlands. In Spanien ist vielmehr die hohe private Verschuldung das eigentliche Problem. Dies hat aber höchstens indirekt mit dem Ausfall der Zahlungsfähigkeit des Staates zu tun. Ähnliches gilt in abgeschwächter Form für Portugal und ausserhalb des Euroraumes für England. Wir gehen somit von einer Erholung des Euro im Jahresverlauf aus aufgrund einer erwarteten Handhabbarkeit des «Falles Griechenland» durch Brüssel.
In diesem Umfeld haben wir unsere Anlagestrategie nicht verändert. Staatsobligationen bleiben untergewichtet und sind mit kurzer Duration versehen. Trotz des erwarteten leichten Zinsanstiegs sind sie in einem Portfolio ein Sicherheitspuffer, der in aufkeimenden Krisen nach wie vor eine wichtige Funktion behält. Aktien bleiben übergewichtet mit dem Fokus auf den aufstrebenden Märkten Asiens und Lateinamerikas, den erneuerbaren Energien sowie zukünftigen Ressourcen. (pm/bv)
9. März 2010
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