Schweizer Wirtschaft:
«Die Talsohle ist noch nicht überall durchschritten»
Marco Weber, CEO, bank zweiplus ag
Die bank zweiplus mit Sitz in Zürich ist eine Produkt- und
Abwicklungsplattform für Finanzprodukte. Sie wurde am 1. Juli 2008 als
Gemeinschaftsunternehmen der Bank Sarasin & Cie AG sowie der Falcon
Private Bank Ltd. gegründet. Die bank zweiplus bietet freien
Finanzdienstleistern, Vermögensverwaltern und Versicherungen eine
Plattform für Finanzlösungen. Per Ende 2008 betreute sie Kundenvermögen
in Höhe von 5.8 Milliarden Schweizer Franken und beschäftigte am
Hauptsitz und in den Kundenzentren insgesamt 137 Mitarbeiter.
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Herr Weber, die wirtschaftliche Situation stabilisiert sich langsam. Die Anzeichen einer Wirtschaftserholung mehren sich...
Meines Erachtens haben wir noch nicht in allen Wirtschaftszweigen die Talsohle durchschritten. Es gibt jedoch tatsächlich Indikatoren, die eine mögliche Stabilisierung oder Erholung in einzelnen Bereichen gegen Ende 2009 vorhersehen lassen.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Stimmung an den internationalen Börsenplätzen im Vergleich zum Jahresbeginn?
Die durchaus erhöhte Risikobereitschaft an den Aktienmärkten unterstreicht die oben beschriebene Einschätzung und nimmt die erwartete Entspannung bereits vorweg.
Wie steht es um die Realwirtschaft in der Schweiz?
Die Finanzkrise hat bereits auf die Realwirtschaft übergegriffen. Die exportorientierten Branchen sind stark vom Wachstumsrückgang betroffen. Die Schweizer Maschinen- und Metallindustrie – besonders Autozulieferer und die Textilmaschinenindustrie – sind durch den weltweiten Investitionsrückgang hart getroffen. In der Zukunft könnten aber Chancen in Bezug auf die tiefen Zinsen, die tiefe Inflation sowie den Erdölpreis entstehen.
Im Januar 2009 begann die Amtszeit des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Welchen Impact wird uns dieser Change bringen?
Obama versucht klar den Dialog mit der Welt zu verbessern und sucht in heiklen Themen den Neubeginn. Für uns in der Schweiz bedeutet dies, dass wir uns ebenfalls kommunikativer und proaktiver verhalten sollen. Konkret haben wir die Chance, auch schwierige Themen wie das Bankkundengeheimnis oder die Doppelbesteuerungsabkommen neu zu positionieren und zukunftstauglich umzugestalten.
Barack Obamas Slogan lautet: «Change – Yes We Can!» Herr Weber, wie lautet Ihr Slogan?
«Change is Our Future!» Die bank zweiplus versteht sich als Servicebank für den unabhängigen Finanzdienstleister. Veränderung als Chance ist unser tägliches Geschäft. Unsere Partner erwarten von uns Lösungen, die ihre Bedürfnisse zeitnah abdecken. Unsere Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sichern unsere Zukunft. So gesehen passt der Slogan auch zum Unternehmen.
Wir leben in einer sehr dynamischen und veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Als wir vor knapp einem Jahr in nur sechs Monaten die bank zweiplus neu gegründet hatten, waren sich alle Beteiligten darüber im Klaren, dass wir es mit einem einzigartigen Geschäftsmodell zu tun haben, das sich ständig weiterentwickeln muss. Unsere Partner erwarten eine stets hoch entwickelte Plattform, die sich den rasch ändernden Marktbedingungen anpasst. Entscheidend dabei ist, dass der sich anbahnende Change rechtzeitig erkannt wird. Danach geht es darum, rasch Entscheidungen zu treffen und diese sorgfältig umzusetzen.
Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?
Eine grosse Herausforderung ist das Gefälle zwischen reichen und armen Staaten und Regionen. Wir wären gut beraten, für eine Nivellierung zu sorgen – so würden uns allen auch neue Märkte eröffnet.
Herr Weber, vielen Dank für das Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Juni 2009