31. Juli 2010
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Finanzkrise: «Keine Anzeichen einer bedrohlichen Situation»

Thomas Kiefer, CEOThomas Kiefer ist seit 2007 CEO der Dresdner Bank (Schweiz) AG. Nach seinem Studium der Volkswirtschaft an der Universität Trier begann Thomas Kiefer 1985 seine berufliche Laufbahn bei der Dresdner Bank AG in Frankfurt und Wiesbaden. 1988 wechselte er zur Dresdner Bank Luxembourg S.A., wo er als Assistent der Geschäftsleitung und als Leiter der Projekt- und Spezialfinanzierungsabteilung tätig war. Später war Thomas Kiefer sowohl General Manager der Dresdner Bank Luxembourg S.A. als auch Managing Direktor von DresdnerKleinwortWasserstein. 2003 wurde er zum CFO der Dresdner Bank Luxembourg S.A. und zum Mitglied der Geschäftsleitung ernannt.

Wir sprachen mit Thomas Kiefer über die Finanzkrise sowie aktuelle und zukünftige Herausforderungen für Schweizer Privatbanken.

 
   
 

change.ch
Herr Kiefer, die Börsen werden seit einem Jahr von starken Turbulenzen durchgeschüttelt. Wie erlebt die Dresdner Bank die Krise?

Thomas Kiefer
Natürlich verfolgen auch wir das Geschehen mit grosser Aufmerksamkeit und sehr sorgfältig. Andererseits sind wir von der grundsätzlichen Stärke der Märkte überzeugt und gehen mittelfristig von einer deutlichen Erholung aus. Das Anlageuniversum der Dresdner Bank (Schweiz) ist langfristig ausgerichtet und richtet sich nach den individuellen Anforderungen der Kunden. 

Wie wird sich die Krise auf die globale Wirtschaft auswirken? Welche langfristigen Folgen hat die Finanzkrise für das Bankensystem?

Es ist davon auszugehen, dass die an der Krise beteiligten Akteure ihre Lehren daraus gezogen haben. Auch ist einmal mehr sehr deutlich geworden, dass kurzfristiges Profitdenken kontraproduktiv ist und sogar die Funktionsweise ganzer Finanzsysteme gefährden kann. Deutlich mehr als die so genannte Finanzkrise belastet jedoch der derzeit hohe Ölpreis die Konjunktur. Die hohen Preissteigerungsraten zwingen die Notenbanken, Stabilitätserwägungen stärker Rechnung zu tragen. Die Europäische Zentralbank und andere Notenbanken haben die Zinsen schon erhöht. Auch der nächste Schritt der nordamerikanischen Notenbank Fed wird eine Straffung sein, aber wohl erst im nächsten Jahr.

An den Märkten herrscht Ausverkauf. Wie kann man als Anleger die Finanzkrise durchstehen?

Die zum Teil recht niedrige Bewertung einzelner Titel würde ich nicht als Ausverkauf bezeichnen. Vielmehr ergeben sich momentan bereits wieder recht interessante Einstiegsmöglichkeiten. Diese müssen jedoch sorgfältig geprüft und regelmässig beobachtet werden, da noch von keiner generellen Bodenbildung ausgegangen werden kann. Als Anleger sollte man gerade in diesen Zeiten den Rat eines Fachmanns hinzuziehen.

Was raten Sie Ihren Kunden – wie sollen sie sich verhalten?

Unsere Kunden sind sehr breit aufgestellt. Einerseits haben wir Kunden, für die wir die komplette Vermögensverwaltung übernehmen. Diese Kunden werden regelmässig von uns über aktuelle Entwicklungen informiert. Wir übernehmen die komplette Marktbeobachtung und agieren entsprechend. Anderseits haben wir Kunden, die ihr Vermögen weitgehend eigenständig managen. Diese versorgen wir ganz nach Wunsch mit detaillierten Marktinformationen. Momentan gehen wir dabei eher von einer noch einige Monate andauernden Seitwärtsbewegung aus. Das aktuelle Niveau erscheint uns dabei durchaus attraktiv, wenngleich wir unter Timing-Aspekten noch Risiken sehen. Strategischen Anlegern empfehlen wir die sukzessive Erhöhung der Bestände.

Sehen Sie die Gefahr, dass auch eine der ganz grossen Banken in die Pleite rutscht?

Nein. Es gibt zurzeit keine Anzeichen, dass eines der grossen Institute sich in einer existenzbedrohenden Situation befinden würde. Sicher könnte es noch in den nächsten Monaten erforderlich sein, weitere Wertberichtigungen vorzunehmen, aber die grossen Zahlen sind genannt worden.

Welche Anlagestrategie verfolgt die Dresdner Bank (Schweiz)?

Wir verfolgen für unsere Kunden die Entwicklungen auf allen relevanten Finanzmärkten der Welt fortwährend und sind dort auch selbst über das Investmentbanking des Konzerns vertreten. Unser Investment Comitee passt regelmässig die Anlagestrategie unter Berücksichtigung aktueller Markteinschätzungen an. Den Kunden bieten wir innerhalb unterschiedlicher Anlageprofile, basierend auf unserer Investmentstrategie, innovative Portfoliolösungen an.

Wo sehen Sie die grössten aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für Schweizer Privatbanken?

Im internationalen Private Banking geniesst der Finanzplatz Schweiz seit Jahrzehnten einen exzellenten Ruf. Diesen Ruf gilt es gegenüber neu entstehenden Finanzplätzen zu verteidigen. Ein verstärktes gemeinsames Auftreten der Schweizer Privatbanken könnte dabei sicherlich hilfreich sein. Dies auch gerade vor dem Hintergrund der im Ausland nicht immer gerade sachlich geführten Diskussion über traditionelle Grundwerte des Schweizer Bankwesens.

Das Thema «Search for Talents» ist sicherlich auch für Sie von grosser Bedeutung. Wie machen Sie auf dem Arbeitsmarkt auf sich aufmerksam?


Wir bedienen uns sämtlicher Kommunikationswege, um die besten Talente im Markt anzusprechen. Die Dresdner Bank (Schweiz) ist ein spannender und herausfordernder Arbeitgeber, da wir einerseits eine selbständige und unabhängige Privatbank nach Schweizer Gesetz sind und andererseits in die weltweit tätige Allianz Gruppe integriert sind. Mitarbeitende haben so die Möglichkeit, in einer überschaubaren Privatbank mit internationalem Background zu arbeiten.

Wir leben in einer veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?

Mit ständigem Wandel, der als dynamische Möglichkeit genutzt werden kann, neue Impulse aufzunehmen und eigene zu geben. Ich gehe davon aus, dass die Geschwindigkeit, in der sich heute die Welt verändert, auch in Zukunft mindestens gleich bleiben wird. Die Mitarbeitenden dabei motiviert für permanente Veränderungen zu begeistern, ist eine besondere Herausforderung an jede Führungskraft.

Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?


Die Grundlage dafür zu schaffen, dass alle Menschen ausreichend Zugang zu Nahrung und Bildung erhalten. Die Probleme und das Leid der Welt könnten dadurch deutlich verringert werden. Alle Menschen hätten eine gerechtere Chance auf ihren ganz persönlichen «Change».

Herr Kiefer, wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Interview: Benjamin Manz, BLUETEXT , Juli 2008

 

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