Sandro Gerber, CEO, Alex & Gross Communications AG.
Vorangehend hielt Sandro Gerber verschiedene Management- und
Geschäftsleitungsfunktionen wie auch VR-Mandate inne.
Zuletzt war er Geschäftleitungsmitglied bei der Cablecom. 2003 schloss
er den Executive Master in Business Administration ab.
Wir sprachen mit Sandro Gerber über effektives Management und die heutigen Herausforderungen als Manager.
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change.ch
Herr Gerber, welches ist die grösste Herausforderung als Manager?
Sandro Gerber
Die Herausforderung besteht darin, stets den eigenen Fokus wie auch derjenige der zu verantwortenden Organisation darauf zu richten, mit dem eigenen Tun Ergebnisse zu erzielen und nachhaltig Resultate zu produzieren – sowohl heute, als auch morgen. Das heisst der Manager muss mit der investierten Zeit möglichst viel Wirkung und damit auch Erfolg generieren.
Ist das alles?
Ja, das ist alles. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Einfachheit. Die Hauptaufgabe eines Managers ist zugleich auch seine grösste Herausforderung und Motivation. Denn mit den Ergebnissen steht oder fällt der Erfolg einer Idee oder einer Organisation.
Welches sind die wichtigsten Aufgaben eines Managers?
Zuerst muss dafür gesorgt werden, dass Ziele vorhanden sind und kommuniziert werden. Zweitens muss eine Organisation geschaffen und entwickelt werden, die alle Ansprüche berücksichtigt. Der Kunde muss dabei im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Die Mitarbeitenden müssen ihre Arbeit bestmöglichst tun, damit sich das Management auf seine übergeordneten Aufgaben konzentrieren kann. Drittens müssen tagein, tagaus Entscheidungen gefällt werden. Eine Aufgabe, die sehr viel Energie benötigt, aber auch wieder freisetzt. Viertens muss ein Kontrollsystem vorhanden sein. Und fünftens müssen die Mitarbeitenden entwickelt und gefördert werden.
Welche Tugenden sind wichtig für einen erfolgreichen Manager?
Geradlinigkeit, Verlässlichkeit, Disziplin, Offenheit und Antizipation. Aber auch die Einsicht, Management als ein Beruf und nicht nur als eine Nebensache zu betrachten, ist von essentieller Bedeutung. Dazu gehört die Fähigkeit, richtiges und gutes Management per Grundsatzprinzipien einordnen zu können. Es reicht leider nicht aus, etwas gerne zu machen. Man kann etwas gerne, aber dennoch schlecht tun. Am besten ist es natürlich, wenn man etwas richtig, gut und erst noch gerne macht.
Von welchen Grundsatzprinzipien sprechen Sie konkret?
Manager ist ein Beruf, den man erlernen muss. Auch im Management muss – allgemein gesprochen – sowohl zwischen richtig und falsch als auch zwischen gut und schlecht unterschieden werden können. Zudem muss man ganz einfach grundlos motiviert sein können und damit möglichst täglich bereit sein, das Beste zu leisten. All das sind sehr wichtige Grundsatzprinzipien.
Sie sprechen vom Beruf des Managers. Wie kann man ihn erlernen?
Erst einmal sucht man nach Massstäben und Standards. Wonach sollte man sich sonst richten? Da tauchen schon die ersten Hürden auf. Es kursieren haufenweise verkommerzialisierte Ansichten des Managers als «Übermenschen», aber nur wenig wirklich brauchbare und nachvollziehbare Grundsätze.
Können Sie diese Grundsätze etwas näher erläutern?
Beim ersten Grundsatz komme ich auf meine eingangs erwähnte Ergebnisorientierung zurück. Management kann man grundsätzlich nicht aus reinem Spass an der Arbeit betreiben. Die Frage ist am Ende also nicht, wie viel gearbeitet wird, sondern welches die Ergebnisse sind. Ein wesentlicher Teil dieser Orientierung an den Resultaten ist die Fähigkeit, Probleme effizient, gut und richtig zu lösen. Sind zu viele Probleme nicht oder falsch gelöst, können kaum gute Resultate erzielt werden. Hierfür benötig ein Manager eine gesunde Menge an so genannter fluider Intelligenz. Das ist die Fähigkeit, neue Probleme ohne Rückgriff auf Erfahrungen zu lösen. Noch viel wichtiger ist die Fähigkeit, Chancen zu erkennen und diese auch zu nutzen.
Der zweite etwas abstraktere Grundsatz ist die Beitragsorientierung. Es muss die Überzeugung im Vordergrund stehen, einen Beitrag am Ganzen zu leisten. Mit anderen Worten muss es gelingen, in einer inzwischen extrem fragmentierten und spezialisierten Welt ganzheitliches Denken integrativ umzusetzen. So wird dies auch in einem Orchester getan: Jeder Musiker ist ein Spezialist auf seinem Instrument. Das gemeinsame Ergebnis ist die Sinfonie.
Beim dritten Grundsatz geht es um den Fokus. Es gilt, sich auf das ausgewählte Wesentliche zu konzentrieren. So umgeht der Manager die stark ausgeprägte Gefahr seines Berufs, sich zu verzetteln. Es ist mit Sicherheit besser, für ein Thema an einem bestimmten Tag 60 Minuten Zeit am Stück aufzuwenden, als die Aufgabe auf sechs mal zehn Minuten während zwei Wochen zu verteilen.
Viertens kommt es darauf an, bereits vorhandene Stärken umfassend zu nutzen. Gefragt ist eine Konzentration auf den Einsatz von Stärken, nicht primär die Beseitigung von Schwächen. Je mehr sich Aufgaben und Stärken eines Individuums oder einer Organisation von Anfang an decken, desto eher werden Spitzenleistungen erbracht und umso stärker steigt die Motivation. Darauf muss sich in Zukunft die Organisationsentwicklung insgesamt noch stärker konzentrieren.
Zu guter Letzt kommt es auf die gegenseitige Vertrauensbasis an. Eine auf Vertrauen basierende Beziehung ist robust genug, Fehler zu verkraften und mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Wie generiert man Vertrauen? Vertrauen muss entstehen können. Der Grundstein wird gelegt durch charakterliche Integrität, Toleranz und Verlässlichkeit. Dazu kommen offene Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Wissen um die gemeinsamen Ziele, Visionen und Erfolge.
Dann kommen wir bereits zu unserer «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welche Veränderungen würden Sie realisieren?
Ich würde sämtliches Potential an Habgier, Gewalt und Hass auf dieser Welt ein für alle Mal in geistiges Potential umwandeln. Diese Kraft würde ich dafür verwenden, dass die Menschheit all die Chancen dieser Welt möglichst lange zum Wohl der Allgemeinheit nutzen kann.
Interview: Zoran Bozanic, Juli 2008
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