31. Juli 2010
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Schweizer Medienlandschaft:
«Es gibt zu viele Gratiszeitungen»

Sacha Wigdorovits, VerlegerSacha Wigdorovits ist Verleger der neu lancierten Gratiszeitung «.ch» und Inhaber der PR-Agentur Contract Media AG. Nach seinem Studium an der Universität Zürich arbeitete Sacha Wigdorovits 20 Jahre als Journalist. Er war unter anderem USA-Korrespondent bei der SonntagsZeitung und Chefredaktor beim Blick. Sacha Wigdorovits ist ausserdem Absolvent des Advanced Management Program an der Harvard University.

Wir sprachen mit Sacha Wigdorovits über seine Zeitung «.ch» und die Schweizer Medienlandschaft.

 


 
   
 

Benjamin Manz, change.ch
Herr Wigdorovits, Ihre Gratiszeitung «.ch» ist nun bald 10 Monate auf dem Markt. Ihre Bilanz?


Sacha Wigdorovits
Das Produkt kommt im Markt inzwischen sehr gut an. Beim Vertrieb hatten wir nach dem Start Probleme. Sie sind zwar inzwischen weitgehend gelöst, aber sie haben einen Imageschaden bewirkt. Diesen beheben wir durch viele direkte Kontakte mit Werbeauftraggebern und Agenturen.

«.ch» ist mit dem Anspruch als Qualitätszeitung oberhalb des bunten «20 Minuten» konzipiert. Nehmen sich denn die Leute Zeit für die Lektüre einer anspruchsvollen Gratiszeitung?

Wir haben eine Leserforschung durchgeführt. Diese hat ergeben, dass die Leute unsere Differenzierung von anderen Gratiszeitungen sehr begrüssen.

Anlässlich einer leichten Veränderung der Zeitungsgestaltung anfangs Mai wünschte sich «Hägar der Schreckliche» in einem fiktiven .ch-Interview, «dass endlich Schwung in diesen Laden kommt. Jetzt kommt Action in die ruhigen Spalten!» Wie wird Hägars Wunsch realisiert?

Wir arbeiten kontinuierlich an einer Ausweitung und Verbesserung unserer Produkte. Derzeit steht vor allem die Homepage punkt.ch im Vordergrund. Aber auch die Zeitung selbst wird konsequent weiter entwickelt.

«.ch», «News», «20 Minuten», «Blick am Abend», «Cash Daily». Ist der Markt in der Deutschschweiz gross genug für fünf Gratiszeitungen?

Nein. Er ist gross genug für zwei, allenfalls für drei Gratiszeitungen.

Wo sehen Sie die grössten gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen für «.ch»?


Wir müssen unsere Bekanntheit erhöhen und den Vertrieb weiter ausbauen und verbessern.

Wie packen Sie diese Herausforderungen an?

Wir haben ein sehr starkes Team, vom Verwaltungsrat über das Management bis zu den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nur als Team kann man eine solche Herausforderung angehen und bestehen.

Welche Veränderungen würden Sie sich in der Schweizer Medienlandschaft wünschen?

Keine, denn sie kommen von selbst. Die Schweizer Medienlandschaft ist sehr vielfältig und sie lebt. Es gibt wohl kaum eine andere Branche, die IT vielleicht ausgenommen, wo sich in den letzten Jahrzehnten so viel verändert hat. Deshalb ist es mir in dieser Branche so wohl. Ich habe gerne mit Medien zu tun.

Und schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?

Ich würde einen «Change» im Denken verordnen: Engstirnigkeit und Vorurteile würden verboten, Sie müssten Aufgeschlossenheit und Unvoreingenommenheit Platz machen. Dann wäre vieles in unserem Zusammenleben einfacher. Wandel würde nicht vor allem als Gefahr, sondern als Chance wahrgenommen.

Herr Wigdorovits, besten Dank für dieses Interview.

Interview: Benjamin Manz, BLUETEXT, Juli 2008

 

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