Richard Manger ist Vorsitzender der Generaldirektion der DZ PRIVATBANK
Schweiz.
Nach Abschluss des Studiums zum diplomierten Bankbetriebswirt
(BA) übernahm er diverse Führungs- und Projektleitungsaufgaben beim
Aufbau der genossenschaftlichen Bankenorganisation in Ostdeutschland.
1995 wurde Richard Manger zum Mitglied des Direktoriums der DG BANK in
Berlin ernannt. 1997 wechselte er in den Vorstand der VBC - Volksbanken
Consulting für Anlagemanagement AG in Wien. Seit Anfang 2008 ist
Richard Manger Mitglied der Geschäftsleitung der neu gegründeten
Geschäftsfeldholding DZ Private Wealth Managementgesellschaft S.A. in
Luxemburg.
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change.ch
Auf Ihrer Website spricht die DZ PRIVATBANK Schweiz von einer «Vertrauenskrise unter den Banken». Bekommt diese auch die DZ PRIVATBANK Schweiz zu spüren?
Richard Manger
Die Vertrauenskrise betrifft nicht nur das Verhältnis von Investoren und Anlegern gegenüber den Banken, sondern vielmehr die Beziehung unter den Banken selber. Auch der Einfluss auf die Kurse der Finanztitel in den Eigenanlagen ist relevant. Das spüren die Banken, natürlich auch wir. Aber wir sind mit unserem fokussierten Geschäftsmodell in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Wir haben uns auch nicht im Subprime-Markt engagiert. Hier zahlt sich die Zugehörigkeit zum genossenschaftlichen Finanz Verbund aus, der lokal stark verankert ist und international überlegt agiert. Nicht zuletzt wegen dieser eher bodenständigen Aufstellung durchlaufen wir mit der Gruppe die derzeitige Krise mit einem deutlichen Beliebtheits-Plus und einem Glaubwürdigkeitsbonus im Vergleich zum Wettbewerb.
Herr Manger, die UBS zieht sich definitiv aus Teilen des grenzüberschreitenden Geschäfts mit in den USA wohnhaften Privatpersonen zurück. Welchen Einfluss hat der Fall UBS in Amerika auf das Schweizer Private Banking und das Bankgeheimnis?
Unser Fokus liegt auf dem Geschäft mit den Kunden der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Aber man muss die Vorgänge in den Vereinigten Staaten sicher ernst nehmen, denn sie strahlen ab auf das Verhältnis des Finanzplatzes zu anderen Ländern, sicher auch zur EU. Ich bin aber überzeugt: Auch in Zukunft muss und wird der Kundenschutz gewahrt bleiben.
Schweizer Privatbanken bekommen zunehmend Konkurrenz von aufstrebenden Finanzplätzen rund um die Welt. Welche Massnahmen müssen Schweizer Privatbanken treffen, um im internationalen Umfeld weiterhin erfolgreich bestehen zu können?
Wir müssen zwischen kurzfristig und langfristig beeinflussbaren Standortvorteilen unterscheiden. Natürlich kann man sich mit einer günstigen Finanzmarktregulierung und Steuergesetzgebung auf die Schnelle Vorteile verschaffen. Die Schweiz verfügt mit ihrer jahrhunderte alten politischen und wirtschaftlichen Stabilität, der günstigen Lage im Herzen Europas und ihrem liberalen Rechtssystem aber über Stärken, die langfristig gewachsen sind und die nicht ohne weiteres kopiert werden können. Auch hier passt der Begriff der Nachhaltigkeit. Der Schweizer Finanzplatz ist also auch für die Zukunft gut aufgestellt.
Wie sehen Sie die weitere Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten?
Die internationalen Finanzmärkte befinden sich gegenwärtig im Spannungsfeld der Immobilien- und Kreditkrise, einer markanten Verteuerung der Rohstoffpreise sowie steigenden Inflationsraten und einer von den USA ausgehenden Konjunkturverlangsamung mit rückläufiger Dynamik bei den Unternehmensgewinnen – ein wirklich komplexes Umfeld! Die Verunsicherung der Investoren und die hohen Volatilitäten an den Finanzmärkten werden noch für eine Weile Bestand haben. Allerdings bietet ein solches Umfeld auch Chancen für ein aktives Management der Vermögenswerte, wobei wir grossen Wert auf eine breite Diversifikation des Portfolios legen.
Quo vadis US-Dollar?
Die Aussage der Amerikaner, sie seien an einem starken Dollar interessiert, ist mit Vorsicht zu geniessen, weil wir Europäer sicher mehr Stärke von der amerikanischen Währung erwarten als von den USA angestrebt wird. Das auch deshalb, weil die Dollarschwäche den amerikanischen Exporten hilft, die einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben, dass sich die Wirtschaft noch nicht in einer Rezession befindet. Eine Trendwende ist absehbar, da wir in den nächsten 12 Monaten eine konjunkturell bedingte Verringerung des Zinsunterschieds erwarten.
Ihre Meinung zum Ölpreis?
Der Ölpreis hat sich sehr weit vom Trend entfernt, so dass der Korrekturdruck in letzter Zeit immer stärker wurde. Aus heutiger Sicht ist aufgrund der Angebots- und Nachfragesituation keine Abkehr von der langfristigen Aufwärtsentwicklung absehbar. Zuvor erwarten wir aber eine Rückorientierung des Ölpreises auf eben diesen Trend, der bei etwa USD 100 verläuft.
Wie sieht der USP der DZ PRIVATBANK Schweiz aus?
Wir sind die Privatbank des deutschen genossenschaftlichen FinanzVerbundes – wir sind mit unseren Dienstleistungen und Services insbesondere für die vermögenden Privatkunden der Volk- und Raiffeisenbanken da. Unser USP ist die Kombination von dezentralem Vertrieb – die Banken haben 14'000 Bankstellen in ganz Deutschland – mit der zentralen Kompetenz im Schweizer Private Banking. Dazu gesellt sich die Stärke eines der grössten europäischen Allfinanzgruppen mit so relevanten Playern wie Bausparkasse Schwäbisch Hall, R+V-Versicherungen oder Union Investment. Die DZ PRIVATBANK Schweiz selbst ist, aufbauend auf ihrer über 30-jährigen Geschichte und der exklusiven Partnerschaft mit den Genossenschaftsbanken der Deutschland-Spezialist unter den Schweizer Banken.
Wir leben in einer veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Wie es so schön heisst: Nichts ist so stetig wie der Wandel. Stehen zu bleiben bedeutet heute wirklich Rückschritt. Der erfolgreiche Umgang mit Veränderung ist letztlich das entscheidende Erfolgskriterium für Unternehmen. Dabei ist es wichtig, eine aktive Rolle einzunehmen, erfolgreich Veränderungen zu gestalten. In den Mittelpunkt rücken aber auch neue Fragen, wie zum Beispiel die nach der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung. Ganz konkret für die DZ PRIVATBANK Schweiz und die genossenschaftliche Bankengruppe stellt sich die Herausforderung, ihr erhebliches Potenzial noch stärker auch im Private Banking auszunutzen. Und das in volatilen Märkten, bei unruhigen Rahmenbedingungen und sich verschärfendem Wettbewerb.
Und schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?
Nicht nur «Change» ist wichtig, sondern auch «Chance». Ich würde einen urliberalen Traum durchsetzen wollen: Jeder Mensch erhält Zugang zu Bildung und Wohlstand – und damit die Chance, sein Leben gemäss seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln.
Herr Manger, besten Dank für dieses Interview.
Interview: Benjamin Manz, August 2008
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