Dr. iur. Monica Mächler ist Direktorin des Bundesamts für Privatversicherungen BPV. Sie ist zudem bei der Zurich Financial Services als Group General Counsel und Leiterin des Verwaltungsratssekretariats tätig. In dieser Funktion ist sie Mitglied der erweiterten Konzernleitung (Group Management Board) des international ausgerichteten Finanzdienstleistungsunternehmens. Monica Mächler war Mitglied in verschiedenen Expertenkommissionen des Bundes, so in der Expertenkommission Zimmerli zur Umsetzung der Finanzmarktaufsichtsgesetzgebung, in der Expertenkommission Zufferey zur Finanzmarktaufsicht sowie in der Expertenkommission Schnyder zur Revision des Versicherungsaufsichtsgesetzes. Monica Mächler ist Autorin zahlreicher Publikationen zu aktuellen Fragen des Versicherungs- und Finanzmarktrechts.
Wir sprachen mit Dr. Monica Mächler über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Privatversicherungen, die grössten aktuellen Herausforderungen für die Versicherungsindustrie sowie die internationale Zusammenarbeit des BPV.
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Benjamin Manz, change.ch
Frau Mächler, die allgemeine Finanzkrise, die im Frühsommer 2007 mit der Subprimekrise ihren Anfang nahm, füllt weiterhin die Schlagzeilen. Wie haben die Privatversicherungen auf die Krise reagiert?
Monica Mächler
Die gegenwärtigen Turbulenzen haben die Versicherungswirtschaft zwar beschäftigt, doch die finanziellen Konsequenzen waren bislang jederzeit verkraftbar, auch wenn einige wenige Versicherungsunternehmen als Folge der Übernahme von Kreditrisiken Wertberichtigungen vornehmen mussten. Gesamthaft kann man von einer Stabilität in einem bewegten Umfeld sprechen.Dass die finanziellen Konsequenzen der Turbulenzen für die Assekuranz bislang jederzeit verkraftbar waren, ist darauf zurückzuführen, dass die Versicherer die Lehren aus den Krisenjahren 2001/2002 gezogen haben. Sie haben Eigenkapital aufgebaut, das nun hilft, Schwankungen abzufedern. Zudem haben sie ihre Anlagestrategien überprüft und ihre Aktienquoten insgesamt reduziert. Die strengen Anlagevorschriften des BPV für das Gebundene Vermögen der Direktversicherer, welches der Sicherung der Versichertenansprüche dient, haben sich in den jüngsten Turbulenzen ebenfalls bewährt.
Wachstum, Innovation und Transparenz. Wachstum ist ein Ziel vieler Versicherungsunternehmungen, was die Konkurrenz erhöht. Die Konkurrenz ist auch im Gefolge von Übernahmen durch neue Akteure oder Akteure mit neuen Strategien am Markt angereichert worden. Gleichzeitig bestehen heute grosse Kapazitäten, die nicht zuletzt auf die verhältnismässig schadenarme Periode der letzten Jahre zurückzuführen sind. Es erstaunt daher nicht, wenn die Prämienniveaus vermehrt unter Druck geraten. Damit sind die Versicherungsunternehmen gefordert, mit Disziplin und Umsicht im Rahmen des Underwriting die technischen Preise zu wahren sowie mit Disziplin und Umsicht die versicherungstechnischen Rückstellungen richtig zu bestellen. Innovation ist wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit auch im Vergleich zu andern Finanzprodukten zu wahren. Und schliesslich ist es zentral, mit Transparenz über die Tätigkeit der Versicherer und ihre Anliegen zu berichten, um das Vertrauen des Kunden zu befestigen.
Wie begegnet das BPV diesen Herausforderungen?
Hauptsächliche Herausforderung für die Regulierung ist, dass sie eine Leitplankenfunktion zur Solvenzsicherung einnimmt. Weder darf der Schutz der Versichertenansprüche etwa durch allzu riskante Kapitalmarkttransaktionen kontaminiert werden, noch darf verhindert werden, dass sich unternehmerische Innovation und Weiterentwicklung entfalten und kraftvoll bewegen können. Und hier liegen die Grenzen des Auftrags an die Aufsicht: Es kann nicht Aufgabe der Aufsicht sein, Strategien und Transaktionen im Einzelnen zu prüfen; hier ist die Unternehmung gefordert, ihre Kreativität mit Verantwortung auszuüben.
In welchen Bereichen sehen Sie den grössten Handlungsbedarf? Wo sieht das BPV Änderungen vor?
Interview: Benjamin Manz, BLUETEXT , Mai 2008