31. Juli 2010
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Martin Wittwer: «Die Schweizer haben wieder Lust zu reisen»

Martin Wittwer, CEO, TUI SuisseMartin Wittwer, CEO TUI Suisse

Die Wirtschaftskrise hat auch der Reisebranche zugesetzt. Im Interview mit change.ch erklärt CEO Martin Wittwer, wie TUI Suisse in diesem Jahr wieder Boden gutmachen und die Reiselust der Schweizer weiter ankurbeln will.

change.ch: Herr Wittwer, inwiefern hat sich das Buchungsverhalten der Kunden durch die Wirtschaftskrise verändert?

Martin Wittwer: Die Reiselust verdrängt die ängstliche Haltung des letzten Jahres. Die Menschen blicken wieder positiv nach vorne. Der Buchungseingang liegt zurzeit über dem Vorjahrsniveau. Das stimmt mich zuversichtlich.

Wer heute Ferien plant, entscheidet je nach Art der Reise situativ, ob er im Reisebüro, im Callcenter oder im Internet bucht. Aus diesem Grunde sind unsere Reisen und Ferien in mehreren Verkaufskanälen buchbar.

In welchem Segment hatte TUI denn die meisten Einbussen?

Seit 2005 ist die Zahl unserer Gäste im Vergleich zu unseren Mitbewerbern überdurchschnittlich stark angestiegen. Im letzten Jahr sind jedoch einzig mit den Marken 1-2-FLY, dem Preisbrecher für Badeferien, und Flex Travel, dem Spezialisten für weltweite Individualreisen, mehr Kunden gereist. Bei den Marken TUI und Vögele Reisen haben wir wegen der schwachen Nachfrage, den reduzierten Kapazitäten und dem schwachen Euro Umsatz eingebüsst.

Welche Ziele und Strategien haben Sie für dieses Jahr geplant?  

Unsere strategischen Schwerpunkte sind dieses Jahr die Differenzierung der Angebote und Portfolios der Marken TUI, Flex Travel und Vögele Reisen, die Prozess- und Kostenoptimierung, die konsequente Ausrichtung auf den Vertrieb von Reisen in den unterschiedlichen Kanälen sowie Investitionen in den Online-Bereich.

Seit Herbst hat TUI in einzelnen Bereichen Kurzarbeit. Wie ist die aktuelle Situation?

Seit Jahresbeginn hat sich der Buchungseingang erfreulich positiv entwickelt. Die Zahl der Buchungsanfragen für Ferien und Reisen steigt wieder an. Wir wollen die Ferienwünsche nun rasch, kompetent und mit hohem Engagement erfüllen. Aus diesem Grund sind wir seit Anfang Februar wieder in der Normalarbeitszeit.

Die Einführung von Kurzarbeit war Teil eines umfassenden Massnahmenpakets, das wir bereits im Herbst 2008 initiiert hatten, um die wirtschaftliche Situation des Unternehmens in einem schwierigen Marktumfeld zu stabilisieren. Mit Erfolg: Das Ende September 2009 zu Ende gegangene Geschäftsjahr konnte trotz Umsatzeinbussen mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden.

Immer mehr Buchungen werden über das Internet vorgenommen. Haben die Reisebüros bald ausgedient?

Ganz bestimmt nicht, solange die Reisebüros den Kunden mit einer fachkundigen und umfassenden Beratung einen Mehrwert bieten. Wir setzen auf eine sogenannte Multi-Channel-Strategie, um im Zeitalter des Internets einen nachhaltigen Ertrag zu erzielen. Wir sind aktuell daran, die verschiedenen Vertriebskanäle wie Reisebüro, Callcenter und Internet miteinander zu vernetzen.  Davon profitieren die Kunden. Sie können sich beispielsweise im Internet informieren und dann die Reise auch im Callcenter oder im Reisebüro buchen. Damit dies zukünftig optimal möglich sein wird, investieren wir in den Ausbau der Technologie.

Die neuen Kataloge liegen auf. Wie sind die Buchungen bis jetzt angelaufen?

Seit Anfang Jahr ziehen die Buchungen deutlich an. In der Wintersaison 2009/10 liegt die Zahl der Kunden rund drei Prozent und in der Sommersaison rund fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Umsatz liegt trotz der massiv reduzierten Preise im kommenden Sommer über drei Prozent über dem letztjährigen Stand.

Welche Destinationen sind für diesen Sommer besonders gefragt?

Grundsätzlich stellen wir fest, dass die Familien wieder buchen. Bei den Feriengebieten im östlichen Mittelmeer liegen Griechenland, die Türkei und Zypern im Trend. Zudem ist Ägypten längst keine Winterdestination mehr. Das Rote Meer ist auch im Sommer äusserst beliebt.

Im westlichen Mittelmeer ist eine verstärkte Nachfrage für das spanische Festland, Ibiza und die Familieninsel Menorca zu verzeichnen. Auch nimmt der Wunsch nach Städtereisen spürbar zu, nachdem nun die Tage wieder spürbar länger werden.
 
Zudem liegen die individuellen Baukastenreisen nach Übersee wie bereits im letzten Jahr sehr gut im Rennen. Bei den Fernstrecken zeigen sich folgende erste Reisetrends: USA, Kanada, Asien und Arabien und der Indische Ozean.

Die Hotelmarke «Sensimar» von TUI wurde im letzten Jahr neu lanciert. Welche Bilanz ziehen Sie?

Mit der Lancierung der neuen Hotelmarke «Sensimar» sind wir sehr zufrieden. Ab diesem Sommer stehen im östlichen Mittelmeer bereits sechs Häuser im Angebot.

Die Sensimar-Hotels, welche unter dem Motto «Mein Haus am Meer» geführt werden, sind ideal für Paare, die sich jenseits der Alltagshektik einmal ganz auf sich selbst konzentrieren wollen – in schöner Umgebung direkt am Meer, mit kulinarischen Genüssen, mit Wellness und sanftem Sport. Die Hotels liegen auf den griechischen Inseln Korfu, Kreta und Rhodos sowie in Side an der Türkischen Riviera und an der Makadi Bay in Ägypten.

Welche Produkte von TUI empfehlen Sie anspruchsvollen Kunden im gehobenen Preissegment? 

Den Kunden mit gehobenen Ansprüchen bieten wir ein sorgfältig ausgewähltes Programm. So führen wir unter der Marke TUI die drei Kataloge «Premium Exotisch» mit den Destinationen Karibik, Mittelamerika, Brasilien, Orient und Indischem Ozean, «Premium Mediterran» mit den Kanarischen Inseln, Mittelmeer und Nordamerika sowie «Premium Naheliegend» mit Hotels zur Eigenanreise in europäischen Ländern.

Im Flex Travel Premium-Katalog findet man nur erstklassige Hotels und Resorts sowie Rundreisen oder Kreuzfahrten. ROBINSON ist der deutschsprachige Qualitäts- und Marktführer im Premium-Segment für Clubferien. Bei Erlebnis- und Studienreisen gelten die Marken «Dr. Tigges» und «Gebeco – Länder erleben» als Synonym für weltweite Reisen mit Niveau.

Was buchen preisbewusste Kunden bei TUI? 

Insgesamt sind die Preise im Sommer 2010 generell rund fünf bis 20 Prozent tiefer als im Sommer 2009. Bei ähnlichen Produkten geht es häufig um den Preis.

Meine Vorschlag: 1-2-FLY offeriert als Preisbrecher Badeferien für Familien und Jugendliche oder Junggebliebene. Vögele Reisen ist seit Jahren der Marktführer im Direktverkauf von Badeferien und ein anerkannter Spezialist für Rundreisen.

Verraten Sie uns Ihre nächste Feriendestination? 

Unsere Kinder haben dieses Jahr entschieden. Gewählt haben sie den Robinson Club auf Kos. Dort fühlen sie sich wohl. Aber auch meine Frau und ich können unseren individuellen Wünschen nachgehen. Ich kann zum Beispiel surfen, übers Wasser gleiten und den Wind spüren. Zeit für Gemeinsamkeiten bleibt auch. Für aktive und für entspannende Momente wie in der Taverne, wenn wir den Sonnenuntergang geniessen.

Herr Wittwer, besten Dank für das Interview.

Interview: Zoran Bozanic, Februar 2010

Information
TUI Suisse ist ein Unternehmen der TUI Travel PLC und der World of TUI mit den Veranstaltermarken TUI, Flex Travel, Vögele Reisen, 1-2-FLY und Spinout SportTours. Exklusiv in der Schweiz vertreibt TUI Suisse die Angebote der führenden Clubmarken von ROBINSON Club und MAGIC LIFE Club sowie die Studien- und Erlebnisreisen der Marken Gebeco Länder erleben, Dr. Tigges und goXplore. Das Vertriebsnetz umfasst rund 70 eigene Reisebüros (TUI ReiseCenter und TUI Agence de voyages).

TUI Suisse ist in der Schweiz hinter ­Kuoni Schweiz und M-Travel Switzerland (Hotelplan) das drittgrösste Reiseunternehmen mit rund 550 Mitarbeitenden. Der Umsatz betrug 2008/09 im Tour Operating 441 Mio. CHF und im Vertrieb 218 Mio. CHF.
Das Reiseportal bietet zu allen Marken einen direkten Zugang www.tui.ch.

TUI Reiseportal: www.tui.ch | TUI Reisebüros: www.tuireisecenter.ch | Unternehmen: www.tui-suisse.com

 

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