Martin Schneider ist CEO und VRP der BRAINFORCE AG. Die BRAINFORCE AG mit Sitz in Zürich und München, Bangkok und Schanghai ist das führende Unternehmen im deutschsprachigen Europa für Interim Management.
Wir sprachen mit Martin Schneider über neue Trends im Interim
Management, die wachsende Nachfrage nach Interim Managern sowie die spezifischen
Herausforderungen auf dem asiatischen Markt.
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change.ch
Trendforscher konstatieren eine zunehmende Schnelllebigkeit in unserer Gesellschaft. Herr Schneider, inwiefern zeigt sich diese Entwicklung im Interim Management?
Martin Schneider
Heute werden laufend neue Projekte aufgegleist, die sehr schnell Ergebnisse erzielen sollen. Langes Experimentieren können und wollen sich die Firmen nicht mehr leisten. Deshalb brauchen sie erfahrene Personen, die Projekte zügig durchführen und abschliessen.
Gleiches gilt für den Aufbau von Know-how. Das Wissen sollte ohne grosse Vorlaufszeit verfügbar sein. Auch hier können Manager auf Zeit hilfreich sein. Grundsätzlich ist der Know-how-Transfer durch Management auf Zeit stärker als durch einfaches Consulting, da der Interim Manager in seiner operativen Funktion tiefer im Unternehmen integriert ist.
In welchen Wirtschaftsbereichen erfahren Sie eine besonders grosse Nachfrage nach Interimslösungen?
Die klassischen Interimslösungen finden in der Industrie statt. Bei Verwaltungen findet man sie eher selten, da man einen Interessenskonflikt befürchtet. Im Dienstleistungssektor sind es meistens Support-Funktionen, IT, HR oder Finanzcontrolling. Gerade beim Beispiel Finanzsektor können aber Manager auf Zeit mit Know-how aus der Industrie viel bewirken. In der Industrie hat man jahrzehntelange Erfahrung mit der Optimierung von Prozessabläufen, während die Dienstleister da noch in den Kinderschuhen stecken. Auch wenn es um die Erschliessung neuer Märkte geht, übernehmen Manager auf Zeit oft Kernfunktionen, da sie sich idealerweise mit den regionalen Gegebenheiten auskennen.
BRAINFORCE ist neben Europa auch in Asien aktiv. Welches sind die spezifischen Herausforderungen auf dem asiatischen Markt?
Interim Management ist bis jetzt auf dem asiatischen Markt unbekannt. Zudem sind Asiaten bezüglich Firmenorganisation nicht sehr offen gegenüber externen Experten. Entsprechend funktioniert das Management auf Zeit-Modell in Asien noch eingeschränkt. Dementsprechend stehen Projektleiter oder umsetzungsorientierte Expertentätigkeiten im Vordergrund, vor allem im Bereich Entwicklung oder Produkt-Adaptierung für den europäischen Markt.
Ein wichtiger Teil unserer Mandanten sind europäische Firmen, die nach Asien expandieren wollen. Insbesondere in diesem Fall funktioniert unser Model hervorragend. Die idealen Kandidaten sind dann Europäer, die über Erfahrung im asiatischen Markt verfügen oder umgekehrt.
Welche Netzwerke nutzen Sie, um geeignete Fach- und Führungskräfte zu finden?
Wir haben bereits über 2500 handverlesene Personen in unserem HR-Pool. Natürlich müssen wir trotzdem unser Netzwerk weiter ausbauen. Pro Jahr haben wir um die 1000 Bewerberinnen und Bewerber, davon nehmen wir ungefähr 200 auf. Zusätzlichen suchen wir vermehrt im asiatischen und im nicht-europäischen Raum nach Führungskräften und spezialisierten Fachkräften.
Wie können Sie gute Leute für kurze Einsätze gewinnen? Sind gut qualifizierte Manager nicht eher an längerfristigen Verpflichtungen interessiert?
Interim Manager bringen in der Regel eine unternehmerische Einstellung mit. Es handelt sich normalerweise um einen selbständig Erwerbenden, der nur kurze oder mittelkurze Mandate annehmen möchte. An Festanstellungen ist er in der Regel nicht interessiert. Ein Interim Manager möchte in kurzer Zeit Projekte erfolgreich realisieren, um dann wieder neue Herausforderungen anzugehen.
Sie haben täglich mit wirtschaftlichen Veränderungsprozessen zu tun. Welchen globalen «Change» würden Sie realisieren, wenn Sie «alle Macht der Welt» hätten?
Ein «Change» zu mehr gesundem Menschenverstand fände ich wünschenswert. Wenn jeder wie ein Unternehmer denken würde, wäre die Welt in vielen Punkten anders. Im Interim Management haben wir es mehrheitlich mit intelligenten Menschen zu tun, die unternehmerisch denken. Mit unserem Modell möchten wir diese Denkweise vervielfältigen.
Herr Schneider, wir danken Ihnen für das Interview.
Interview: Benjamin Manz, BLUETEXT
Juni 2008
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