31. Juli 2010
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Kliesow: «Ich rechne 2010 mit einer verhaltenen Wirtschaftserholung»

Dr. Olaf Kliesow, CEODr. Olaf Kliesow ist CEO der Aspecta Assurance International AG in Vaduz, einer Tochtergesellschaft der HDI-Gerling Leben Serviceholding AG mit Sitz in Köln. change.ch sprach mit dem ausgebildeten Juristen über die aktuelle Situation auf dem Versicherungsmarkt und seine Prognose für die zweite Jahreshälfte.

change.ch: Herr Kliesow, wir befinden uns in einer globalen Wirtschaftskrise. Wie entwickelt sich das Versicherungsgeschäft in der Schweiz?

Kliesow: Die Krise hat bekanntlich prominente Opfer gefordert – vor allem in Übersee. Auch an uns ist sie nicht spurlos vorübergegangen. Im Unterschied zu vielen Konkurrenten steht Aspecta aber dank einer konservativen Anlagepolitik nach wie vor mit einer soliden Kapitalbasis da. Als Spezialist für fondsgebundene Lebensversicherungen haben wir trotz der schwierigen Umstände letztes Jahr einen Prämienzuwachs von 4,5 % auf CHF 104 Millionen erwirtschaftet.

 
   
 

Welches sind die grössten Herausforderungen für die Versicherungsbranche in der aktuellen Situation?

Nach den Turbulenzen an den Kapital-, Kredit- und Aktienmärkten muss sich das Umfeld wieder stabilisieren. Dann dürfte ein differenzierteres, rationaleres Verhalten die Oberhand gewinnen, das hauptsächlich vom realwirtschaftlichen Geschehen beeinflusst wird. Die Versicherungen können in diesem Umfeld die langfristige Ausrichtung der Altersvorsorge in den Vordergrund rücken. Die Krise bietet auch Chancen. Wir haben sie zum Beispiel für eine Neupositionierung genutzt. So haben wir unsere Serviceleistungen verbessert und versuchen dank angepasster Produktpalette, Konzentration auf die Servicequalität und verstärkter Kundenfokussierung unsere gute Ausgangsposition weiter auszubauen.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Realwirtschaft für die zweite Jahreshälfte?

Weltweit hat sich die Stimmung zwar aufgehellt. In den USA spricht man bereits vom Ende der Rezession und auch in Europa mehren sich die Vorboten eines Aufschwungs. Trotz diesen Hoffnungsschimmern erwarte ich noch nicht, dass es bereits wieder aufwärts geht. 2009 wird insgesamt ein schwieriges Jahr werden. Ich rechne im nächsten Jahr mit einer Erholung, die allerdings noch verhalten ausfallen wird.

In konjunkturell schlechteren Zeiten rückt das Kostenmanagement in den Vordergrund. Mit welchen Massnahmen reagiert Aspecta auf die Krise?


Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich für die Finanzwirtschaft in den letzten Monaten grundlegend verändert. Deshalb haben wir frühzeitig Massnahmen eingeleitet, um unsere Kundenfokussierung und Effizienz zu steigern. Wichtig ist, dass man nicht unvorbereitet in eine Krise gerät, obwohl in den guten Zeiten niemand von möglichen Krisen sprechen will. Ein Weg aus der Krise sind Innovationen – darauf haben wir frühzeitig unseren Fokus gelegt. Und auf ein effizientes Kostenmanagement achten wir schon länger.

Warum ist es so schwer, sich in guten Zeiten auf eine Krise vorzubereiten?

In guten Zeiten sind Krisenszenarien unpopulär und werden als Schwarzmalerei abgetan. Gerade wir als Lebensversicherer erleben diese menschliche Tendenz immer wieder, der in der Regel alle mal erliegen: Wir laufen wie Lemminge sorglos und ohne vorauszublicken den Leittieren nach. Dabei wäre es sinnvoll, in guten Zeiten die nötigen Vorkehrungen für mögliche Krisen zu treffen.

Was hoffen Sie, was wir aus dieser Krise gelernt haben?


Die Krise zeigt die Schwächen des Systems auf. Wir wissen nicht erst seit dieser Krise, wie die Menschen in der Kindererziehung, im Verkehr oder in der Wirtschaft «funktionieren», wenn man ihnen falsche Verhaltensregeln vorgibt oder ungenügende Sanktionen androht. Ein Richtungswechsel ist nötig – es gibt kein Zurück zur alten Welt. Diese Krise hat eine andere Dimension und sie zeigt uns klar, dass wir nachhaltiger wirtschaften müssen. An den Finanzmärkten hat die Krise deutlich gemacht, dass Anlagestrategien mit exorbitanten Renditen ein zu grosses Risiko für unsere Wirtschaft darstellen. Aspecta investiert aus diesem Grund seit langem bewusst konservativ.

Anfangs 2009 begann die Amtszeit des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Welchen Impact wird uns dieser Change bringen?

Er ist mitten in einer der grössten US-Krisen zum Präsidenten gewählt worden. Barack Obama scheint die Chancen zu packen, die sich ihm bieten. Obama steht auch für die erneuerte Dialogbereitschaft der USA mit dem Rest der Welt. Und obwohl wir in diesem Sektor nicht tätig sind, verfolgen wir natürlich gespannt seine ambitiösen Gesundheitspläne zu einer umfassenden Krankenversicherung.

Barack Obamas Slogan lautet: «Change – Yes We Can!» Herr Kliesow, wie lautet Ihr Slogan?

Unser Slogan lautet «Spirit and Solutions»: Die Stärke der unabhängigen Finanzberatung liegt im Angebot der passenden Vorsorgelösung als Antwort auf das individuelle Kundenbedürfnis. Als Partner der Unabhängigen und führender Spezialist für innovative fondsgebundene Lebensversicherungen sind wir ein wichtiger Dienstleister in der Finanzbranche.

Wir leben in einer sehr dynamischen und veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?

Change allein besagt noch nicht, in welche Richtung der Wechsel gehen soll. Change bedeutet Veränderung gestalten und Ziele erreichen. Veränderungen lösen Widerstände aus. Das Aufgeben von Routinen, Gewohnheiten oder alten Lösungen kann Ängste auslösen. Es braucht eine engagierte Leitung, die neue Perspektiven aufzeigt, Blockaden wegräumt und Innovationen ermöglicht.

Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?


Ich glaube, dass die wichtigsten und dauerhaftesten Veränderungen diejenigen sind, die aus eigenem Antrieb und eigener Überzeugung entstehen. Wo ich persönlich und mit Herzblut dahinterstehe, da wird nachhaltig gearbeitet. Alle Macht der Welt kann die Eigeninitiative nicht ersetzen.

Herr Kliesow, wir danken Ihnen für das Interview.

 

Interview: Zoran Bozanic, August 2009

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