31. Juli 2010
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Krisenkommunikation:
«Navigation hat versagt»

Jana Riedmüller Jana Riedmüller ist seit 17 Jahren im Kommunikationsgeschäft tätig. Die gebürtige Berlinerin ist zwischenzeitlich eine der wohl best vernetzten Lobbyistinnen zwischen Vaduz, Zürich und Berlin. Als Kommunikationsberaterin unterstützt und berät sie seit Jahren  Unternehmen und Organisationen der Finanzindustrie, KMUs sowie Einzelpersönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Sie versteht das politische Geschehen auf höchster internationaler Ebene und hat ihr Wissen vielfach erfolgreich eingebracht.

change.ch sprach mit der Kommunikationsberaterin über den Kommunkationswandel in der Finanzindustrie und die aktuelle UBS-Anzeigekampagne.

 

 
   
 

change.ch
2008 war ein ganz besonderes Jahr. Es wird aufgrund der heftigen Börsen-Turbulenzen wohl in die Geschichte eingehen. Frau Riedmüller, wie sieht Ihr persönlicher Rückblick aus?

Jana Riedmüller
Wir schliessen das Jahr 2008 mit dem besten Ergebnis seit Bestehen unseres Unternehmens ab. Doch das ist gestern. Morgen werden wir neu erwachen. Die aktuelle Entwicklung der Weltwirtschaft wird sich überall bemerkbar machen, ob wir das wollen oder nicht. Ich bin froh, dass wir stets nachhaltig – sprich ohne Schulden und ohne erzwungenes Wachstum – gewirtschaftet haben und daher mit einem guten Polster auch für schlechtere Zeiten ausgestattet sind. Ich bin vor allem aber für Dinge ermutigt, die in anderen Zeiten weniger Gehör gefunden hätten.

Wird die Krise die Kommunikation der Finanzinstitute verändern?

Das wird sie. Nicht nur jene der Finanzindustrie, sondern der Wirtschaft als Ganzes und auch der Politik. Es ist eine Kunst, leise zu treten und dennoch gehört zu werden. Die Zeit ist gekommen, in der wir hart kämpfen müssen, um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen. Nicht jeder hat in den letzten Jahren gelernt, wirklich zu kämpfen. Es ist also gut, dass dieses Fach jetzt wieder gelehrt wird. Wir alle fliegen derzeit nur noch auf Sicht, die Navigationssysteme haben versagt. Und beim ersten Nebel werden auch die Letzten merken, dass sie vom Gas müssen. Gut für jene, die nicht nur den Autopiloten kennen gelernt haben, sondern wissen, wie man ein Steuer im Sturm bedient.

Was halten Sie von der neuen UBS-Kampagne mit der etwas ungewöhnlichen Anzeigenserie?

Ich ziehe meine Hut vor jenen, die sich in der Öffentlichkeit zu einem strauchelnden Unternehmen bekennen. Aber ich bezweifle den Erfolg der 2-Millionen-Investition. Jetzt muss die UBS in ihre ehrlichen und kompetenten Mitarbeiter investieren – bevor sie alle davon laufen – und ihren Kunden zur Abwechslung mal wieder gut zuhören. Das dürfte günstiger, vor allem aber nachhaltiger sein.

Im Januar 2009 beginnt die Amtszeit des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Welchen «Impact» wird uns dieser «Change» bringen?

Einen dramatischen, dafür aber einen ehrlichen. Es wird noch schlechter werden, das sagt Obama selbst. Wir müssen aufhören, uns gegenseitig Sand in die Augen zu streuen. Er ist Politiker, kein Wirtschaftsboss. Einer politischen Aufbruchstimmung steht eine wirtschaftliche Depression in den USA gegenüber. Wir lernen ganz neue Systeme kennen. Und wir haben es verpasst, unsere Jugend genügend darauf vorzubereiten. Obama kann mit den richtigen Massnahmen aber das Cockpit besetzen und aus der Hoffnung Taten folgen lassen. Absurderweise werden die Amerikaner wohl die ersten sein, die ein 3-Liter-Auto auf den Markt bringen. Sie hassen Larmoyanz und brechen immer gerade rechtzeitig auf.

Barack Obamas Slogan lautet: «Change - Yes We Can!» Frau Riedmüller, wie lautet Ihr Slogan für 2009?

«Yes, and we do! »

Wir leben in einer sehr dynamischen und veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?

Da hab ich es mit Hemingway: «Das Merkwürdigste an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit einmal die gute alte Zeit nennen wird.» Der Change dieser Zeit wird uns noch in Erklärungsnot bringen, weil er so bislang in keinem Geschichtsbuch nachzulesen ist, auch wenn das viele behaupten.

Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?

Grosses beginnt immer im Kleinen. Ich versuche meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Das ist schwer genug, hat aber am ehesten Zukunftspotential!

Frau Riedmüller, wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen auch im kommenden Jahr alles Gute.

Interview: Zoran Bozanic, Dezember 2008

 

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