Ineichen: «Es darf nicht sein, dass unser Bankensystem mit höheren Eigenmittel-Hinterlegungen gestraft wird»
Otto Ineichen, Unternehmer und Nationalrat
Otto Ineichen besuchte das Wirtschaftsgymnasium in Fribourg und anschliessend die HSG in St. Gallen, wo er 1965 mit dem Lizentiat in Betriebswirtschaft abschloss. 1978 gründete er die Otto’s AG in Sursee und ist heute als VR-Präsident tätig. Er ist seit 1988 politisch engagiert und wurde 2003 in den Nationalrat gewählt. Otto Ineichen engagiert sich in diversen Präsidien in den Bereichen Nachfolgeregelungen von Unternehmen oder auch bei Speranza 2000 – ein Projekt gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
change.ch: Unseren KMU's - treibende Kraft der Schweizer Wirtschaft - geht es sehr schlecht: Firmenschliessungen und Konkurse haben Rekordstand erreicht. Herr Ineichen, was kann man dagegen tun?
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Ineichen: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Konkurse schon immer zugenommen, das ist nichts Aussergewöhnliches. Bei rein konjunkturellen Konkursen von z.B. exportorientierten Unternehmen und deren Zulieferern ist dringend dagegen anzugehen. Hier ist die Politik gefragt. Meine konkreten Vorstellungen sind zum Beispiel die Erhöhung der Bürgschaftslimite von 500'000 auf 2 Mio. Franken oder die Gründung eines Risikofonds in der Höhe von 100 Mio. Franken.
Wir leben in einer sehr dynamischen und veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Jede und jeder von uns ist gefordert, sich den veränderten Bedingungen anpassen, dies war noch nie so wichtig wie heute. Ich persönlich tue das, indem ich mich sowohl in meinem Geschäft wie auch in meinem politischen Umfeld den täglichen Herausforderungen stelle.
Unsere Wirtschaft leidet unter der globalen Krise. Wie stark sind Sie als Unternehmer davon betroffen und wie bewältigen Sie die Krise?
Jeder Unternehmer ist davon betroffen und jeder hat sein eigenes Rezept, ihr zu begegnen. Ich bin selbst an mehreren Unternehmen beteiligt und für jedes ist die Auseinandersetzung mit der Krise eine andere, sodass ich keine Patentrezept geben kann. Ich erachte es jedoch als wichtig, die Probleme möglichst schnell zu bereinigen, damit der Blick wieder vorwärts gerichtet werden kann.
Die internationalen Börsenplätze, mitunter auch die Schweiz, haben sich in den letzten Monaten stark erholt. Deuten Sie dieses Szenario als einen positiven Indikator für die Realwirtschaft?
Bisher hat die Börse vor allem die Übertreibung nach unten wettgemacht. Für mich steht die Börse leider zu wenig im Interesse der Realwirtschaft.
Der Finanzsektor ist aufgrund aktueller Ereignisse stark unter Beschuss geraten. Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um den Herausforderungen für den Finanzplatz Schweiz möglichst rasch und effizient zu begegnen?
Nationale Einschränkungen bringen wenig, es braucht internationale Normen. Zum Beispiel darf es nicht sein, dass unser Bankensystem mit höheren Eigenmittel-Hinterlegungen gestraft wird. Dies hätte enorme Auswirkungen auf die Realwirtschaft, die darunter zu leiden hat. Wenn schon höhere Eigenmittel-Hinterlegungen, dann müssten diese progressiv sein, d.h. je grösser eine Bank ist, desto mehr müsste sie hinterlegen. Denn die Grösse der Banken ist die Gefahr für den Finanz- und Werkplatz Schweiz.
Andererseits sollte die Kreditvergabe stärker auf die produktive Wirtschaft ausgerichtet werden und weniger für Spekulationszwecke zur Verfügung stehen.
Kürzlich wurde Didier Burkhalter zum neuen Bundesrat gewählt. Welchen Impact wird uns dieser Change bringen?
Ich hoffe sehr, dass Didier Burkhalter den Mut hat, heisse Themen konkret anzupacken und umzusetzen. Dass er auch die Grösse hat, in Anbetracht der vielen Baustellen in seinem Departement, die Zusammenführung von Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) und dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) im EVD voranzutreiben.
Barack Obamas Slogan lautet: «Change - Yes We Can!» Herr Ineichen, wie lautet Ihr Slogan?
Ich bewege garantiert!
Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?
Ich würde der Ökologie oberste Priorität einräumen. Nur sie wird möglichst breit abgestützte Sicherheit für alle bringen.
Herr Ineichen, ich bedanke mich für das Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Oktober 2009
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Wirtschaft oder im Privaten. Erfahren Sie in unserem Change-Talk, wie
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Frau Onken, wir leben in einer sehr dynamischen und veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
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Jeremy Rifkin, US-amerikanischer Soziologe, Ökonom, Publizist sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends: "Menschen sind von Natur aus nicht aggressiv und egoistisch, sondern empathisch, also mitfühlend, so Rifkins kontroverse These. Um globale Herausforderungen wie Wirtschaftskrise oder Klimawandel zu bewältigen, brauchen wir ein neues Denken und ein verändertes Menschenbild auf der Grundlage der Empathie. Das heisst, wir müssen unsere wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modelle ändern, um die Erde zu retten."
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