Harry Holzheu ist Unternehmensberater für Führungskommunikation.
Wir sprachen mit Harry Holzheu über die Kommunikationsfähigkeiten der Schweizer Manager und die Frage, ob uns Amerikaner und Deutsche rhetorisch überlegen sind.
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Harry Holzheu ist einer der gefragtesten Trainer und Referenten für Kommunikation und Verkauf. In Deutschland nennt man ihn den «Mutmacher aus der Schweiz», weil er die Menschen ermutigt, authentisch zu sein und aus sich herauszugehen. Über 30'000 Führungskräfte und Verkaufspersönlichkeiten aus ganz Europa hat er bereits trainiert.
Herr Holzheu, wie gut kommunizieren Manager in der Schweiz?
Es gab in jüngster Vergangenheit mehrere Kommunikation-Gaus in der Schweiz, die sich für die betroffenen Unternehmen teilweise verheerend ausgewirkt haben. Von diesen Ausnahmen abgesehen kommunizieren die Manager in unserem Land recht gut und glaubwürdig, wenn auch oft eher «holprig» und verhalten. Man geht ungern in die Offensive und berichtet eher nüchtern über die Unternehmenserfolge. Das gehört zur Schweizer Mentalität. Es wirkt jedoch nicht unbedingt immer unsympathisch.
Wie wichtig ist die persönliche Kommunikationsfähigkeit der Manager für ein Unternehmen?
Es ist ganz entscheidend für den Unternehmenserfolg, ob der Chef gut kommunizieren kann. Dabei geht es nicht nur um die Darstellung des Unternehmens nach aussen, sondern auch um die interne Kommunikation. Wer sich gut und verständlich ausdrücken und dabei seine Zuhörer motivieren und begeistern kann, steigert erfahrungsgemäss die Erfolgschancen des Unternehmens. Mitarbeitende engagieren sich mehr, wenn sie sich vom Chef verstanden und getragen fühlen. Vielfach hängt es davon ab, «wie gut man mit ihm reden kann».
Haben Spitzenmanager, die eigentlich keine geborenen Kommunikatoren sind, eine Chance, besser zu kommunizieren?
Es gibt viele Beispiele von Unternehmensleitern die bei Vorträgen, Präsentationen oder Interviews schlicht und eher «trocken» wirken. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass sie einen schlechten Eindruck hinterlassen. Wenn sie den Mut haben, sich so zu akzeptieren wie sie sind, bleiben sie authentisch und sind somit glaubwürdig. Ein guter Chef braucht kein Showman zu sein. Er kann auch mit wenig Farbe überzeugen. Hauptsache ist, dass er sich selbst mag und akzeptiert - dann mag ihn auch der Zuhörer.
Was meinen Sie zu übertriebenen Auftritten, also der Tendenz, die eigene Position darzustellen?
Wir Schweizer reagieren allergisch auf Angeber. Das kann ein Grund zur vorher erwähnten Bescheidenheit sein, der man hierzulande oft begegnet. Es ist sicher sehr schlecht für ein Unternehmen, wenn sich der oberste Chef in der Öffentlichkeit zelebriert, anstatt über das Unternehmen zu sprechen. Deshalb ist der Begriff «Demut» wieder in die Chefetagen zurückgekehrt wissend um die Begrenztheit der eigenen Fähigkeiten. Die grossen Könner wirken eher bescheiden. Schon Sokrates hat gesagt: «Ich weiss, dass ich nichts weiss!»
Was zeichnet eine gute Rede an die Mitarbeiter aus?
In einer guten Rede des Chefs müssen die Mitarbeitenden erfahren, dass sie in einem erfolgreichen Unternehmen mit grossen Zukunftschancen arbeiten und dass man sie schätzt und fördert. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter wissen, dass man ihren vollen Einsatz erwartet, der aber auch honoriert wird. Idealerweise spüren die Mitarbeiter bei einer solchen Rede, dass der Chef sie gern hat. Der Chef sollte immer die Sprache sprechen, die die Mitarbeiter am besten verstehen.
Sind uns Amerikaner und Deutsche rhetorisch überlegen?
Ja, das glauben wir. Und das ist genau das Problem von uns Schweizern. Eloquenz und rhetorische Brillanz sind sicher vorteilhaft. Aber man kann als Redner auch zu gut sein. Rhetorische Perfektion kann Distanz erzeugen. Ein brillanter Redner erhebt sich über die Norm der Zuhörer. Kleine rhetorische Fehlleistungen hingegen erzeugen eine emotionale und soziale Annäherung. Die Zuhörer fühlen sich in den «Fabrikationsprozess» des Redners eingebunden, und das ist viel spannender! Ein etwas hemdsärmliger Redner, dem ein Versprecher nichts ausmacht, kommt viel besser an als einer der versucht, möglichst intelligent zu sprechen. Das beste Beispiel ist Bundesrat Christoph Blocher.
Kann man gute Kommunikation lernen?
Es gibt zwei grundlegende Gesetze: «Deutlich reden und eine einfache Sprache sprechen». Weiter steigern kann man sich nur dann, wenn man authentisch bleibt. Ich mache meinen Klienten Mut, ganz sich selbst zu sein und niemals Fremdverhalten zu übernehmen, das ihre persönliche Wirkung verfälscht. Im Gegenteil. Ein Original kommt gut an, man vergisst die Person nie, auch wenn sie – und gerade weil sie – rhetorisch nicht perfekt ist. Da sind die Erfolge von Coachings und Seminaren oft spektakulär, wenn jemand den Mut findet, genau so zu agieren, wie er es schon immer gerne getan hätte. Anders sein heisst nicht perfekt sein.
Interview für change.ch: Fidel Stöhlker, 20. März 2007.
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