«Ohne Vertrauen geht es nicht»
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Das jüngste Beispiel bei der Grossbank UBS zeigt es überdeutlich: Ein Generationenwechsel ist für alle Beteiligten mit vielen Unsicherheiten und Risiken verbunden und kann daher eine Existenzkrise für das Unternehmen darstellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Grossbank oder um ein KMU handelt. Es stellen sich diverse Fragen: Wer ist der optimale Nachfolger? Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Übergabe oder Übernahme? Wie muss dieser Prozess vorbereitet werden? Stellt man sich dieser komplexen Herausforderung alleine oder vertraut man dem Know-how erfahrener Consulting-Agenturen?
Im Jahre 1937 gegründet und heute in den Händen der dritten Generation erzielt das Unternehmen Hans K. Schibli Elektrotechnik AG mit der Power von 300 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von CHF 46 Millionen.
change.ch
Eine der größten Herausforderungen beim Generationenwechsel ist neben der Suche nach dem geeigneten Nachfolger die Schwierigkeit des Seniors, den Betrieb aus den Händen zu geben. Herr Schibli, war es für Sie von Anfang an klar, dass Ihr Sohn eines Tages den Familienbetrieb übernehmen würde? Fiel Ihnen daher das Loslassen leichter?
Hans Jörg Schibli
Ich habe unsere vier Kinder von klein auf immer altersgerecht am Firmengeschehen teilhaben lassen und ihnen früh klar gemacht, dass ich ihre Mitarbeit in der Firma jederzeit unterstützen, aber nicht fordern werde. Als Jan dann den Willen bekundete, seine berufliche Zukunft mit seiner ganzen Kraft und seinem Können auf die Führung des Unternehmens in dritter Generation auszurichten, war für mich das Loslassen kein Problem, sondern eine grosse Freude. Die stufenweise Abgabe meiner Aktien und das Miterleben, wie Jan an der Aufgabe wuchs und steigenden Erfolg ausweisen konnte, war und ist für mich das «Hans im Glück»-Gefühl aus Grimms Märchen.
Jan Schibli, was war für Sie die Motivation, den Betrieb Ihres Vaters zu übernehmen? Wo sahen Sie die Herausforderung?
Jan Schibli, Geschäftsleiter
Meine Hauptmotivation war, Unternehmer zu sein. Das heisst: frei Entscheidungen fällen zu können, eigene Ideen einbringen zu können, neue Strategien zu verwirklichen und privat die Möglichkeit zu haben, - wenn alles optimal läuft - finanziell auf sorglosem Niveau leben zu können.
Wie wählt man den richtigen Zeitpunkt für den «Generation Change»?
Hans Jörg Schibli
Der «richtige» Zeitpunkt kann nicht einfach definiert werden. Das Vordenken sollte am besten schon zehn Jahre vor dem Zeitpunkt einsetzen, an welchem man selber nicht mehr über die volle Schaffenskraft für die Unternehmensführung verfügt. Das fordert vom Unternehmer, dass er sich selber sachlich und selbstkritisch beurteilt.
Wie haben Sie sich persönlich auf diesen Prozess vorbereitet?
Hans Jörg Schibli
Zehn Jahre vor Erreichen des Alters 65 habe ich mein Kader informiert, dass ich bis spätestens in acht Jahren Klarheit darüber schaffen werde, ob eine Nachfolge aus der Familie möglich sein wird. Wenn nicht, habe ich ein MBO in Aussicht gestellt. Als Jan dann seinen Berufsentscheid gefällt hatte, habe ich sofort mit meiner Frau und unserem Vertrauensjuristen die Vorbereitung zur stufenweisen Abtretung der Aktien an Jan und gleichzeitig eine vergleichbare Werteübertragung an seine drei Schwestern an die Hand genommen.
Jan Schibli
Für mich gab es eigentlich fast keine Vorbereitung. Ich habe zwar ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft gemacht, aber ich brauchte vor allem meinen gesunden Menschenverstand. Wichtig war auch eine gesunde Selbstüberzeugung, dieser Herausforderung gewachsen zu sein.
Wie muss dieser Schritt konkret vorbereitet werden?
Hans Jörg Schibli
Erstens: Objektive Beurteilung der menschlichen und fachlichen Voraussetzungen des Nachfolgers für die anspruchsvolle Aufgabe. Zweitens: Offene und laufende Orientierung des Kaders und aller Mitarbeiter über die Absichten für die Nachfolge. Drittens: Klarheit schaffen für den Nachfolger, wie und wann er nicht nur Verantwortung, sondern auch Kompetenz über das Unternehmen (Aktien, Gesellschafterkapital…) übertragen erhält. Viertens: Möglichkeit für den Nachfolger, sich in wichtigen Chargen einzuarbeiten, jedoch noch ohne letzte Entscheidungsverpflichtung.
Haben Sie den Generationenwechsel alleine vollzogen oder haben Sie einer externen Beratungsagentur vertraut?
Hans Jörg Schibli
Ich habe nie an den Beizug eines externen Beraters gedacht. Allerdings habe ich immer wieder unternehmerisch denkende, sehr kritische Freunde zu Gesprächen beigezogen, die mir oft zu guten Gedanken verholfen haben. Im Falle eines MBO hätte ich wohl fremde Beratung beansprucht.
Haben Sie einen Tipp, welchen Sie unseren interessierten Lesern aus der Sicht des Senior-Unternehmers geben möchten?
Hans Jörg Schibli
Übergeben Sie dem Nachfolger die Unternehmung zu Ihren Lebzeiten, sobald er mit Leib und Seele bei der Sache ist. Lassen Sie ihn nicht bis zu Ihrer Testamentsvollstreckung warten! Und glauben Sie nicht, Sie müssten bis zur Übergabe die hundertprozentige Garantie haben, der Nachfolger habe tatsächlich das nötige Können. Ohne Vertrauen geht es nicht. Als Unternehmer wissen wir doch, dass ohne Mut zum Risiko nichts läuft, sonst wären wir nicht Unternehmer geworden. Warum also meinen, bei einem Nachfolger müsse jedes Risiko ausgeschlossen werden? Vielleicht macht er vieles anders, aber vielleicht auch besser als Sie.
Jan Schibli - haben Sie einen Tipp, welchen Sie unseren interessierten Lesern aus der Sicht des Junior-Unternehmers geben möchten?
Jan Schibli
Das wichtigste an einer erfolgreichen Übergabe in eine neue Generation ist das Vertrauen unter allen beteiligten Familienmitgliedern, woraus eine alleinige Entscheidungsgewalt resultieren sollte. Es braucht Freude, um «Patron» zu sein. Die Nachfolge sollte auch möglichst ohne grosse finanzielle Verschuldung des Nachfolgers möglich sein. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass man als Unternehmer viel Freiheit und viele Möglichkeiten hat, aber man manchmal in gewissen Entscheidungen sehr einsam ist. Die Verantwortung ist gross. Deshalb sollte ein intaktes privates Umfeld zum Ausgleich verhelfen.
Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.
Interview: Zoran Bozanic, April 2008
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