31. Juli 2010
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Wachstum im Private Banking:
«Building Fans for Generations»

Gregor Bienz, CEOGregor Bienz, CEO Bank Frey & Co. AG

Gregor Bienz ist bereits seit über 20 Jahren in den globalen Finanzmärkten aktiv. Bevor er die Position bei der Bank Frey einnahm, war er neun Jahre lang für die Dresdner Bank tätig, zuletzt als Berater der Geschäftsleitung, Chief Investment Officer Private Banking International, Leiter Investment Center Dresdner Bank Schweiz und Co-Head Aktien-Research Dresdner Bank Frankfurt.

Wir sprachen mit Gregor Bienz über Vertrauen, den Brand «Swiss Private Banking» und Nachhaltigkeit in der Vermögensverwaltung.


 
   
 

change.ch
Vertrauen: Das Private Banking ist eine auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Partnerschaft zur Erreichung gemeinsamer Ziele. Herr Bienz, wie gewinnt die Bank Frey das Kundenvertrauen?

Gregor Bienz
Nicht mit grossflächigen Werbeauftritten oder imageträchtigen Sponsoring-Aktivitäten, sondern ganz einfach und unspektakulär mit unserer täglichen Arbeit. Basierend auf der Grundhaltung, dass wir unsere Kunden als Menschen mit individuellen Bedürfnissen und Zielen wahrnehmen. Diese Fokussierung führt automatisch zu einem längerfristigen Anlagehorizont, zu kundengerechten Risikoprofilen und zu einer Verminderung jener unterschiedlichen Interessenlagen, die oft ursächlich für das schwer nachvollziehbare Handeln mancher Banken sind.

Entsprechend sind wir auch bereit, unsere eigenen Strukturen konsequent auf die Bedürfnisse unserer Kunden auszurichten: Beispielsweise haben wir uns bereits 2001 konsequent gegen Auslandniederlassungen entschieden, da wir den Standpunkt einnehmen, dass nur eine reine Schweizer Privatbank die gewünschte Privatsphäre vermögender Anleger schützt.

Profitieren Sie dabei vom Brand «Swiss Private Banking»?

Ja, und zwar, weil wir uns dieses Etikett nicht nur anheften, sondern konsequent leben. Folgende drei Punkte sind für uns dabei zentral:

Erstens Depotführung: Als Schweizer Privatbank ohne ausländische Niederlassung sind unsere Kunden vor der Willkür ausländischer Gesetzgeber geschützt. Und sie profitieren zusätzlich zu den jahrzehntelang etablierten, vorteilhaften juristischen Rahmenbedingungen auch vollumfänglich von der Schweizer Neutralität sowie unseren stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen.  

Zweitens Anlagelösungen: Wie seit Jahrzehnten im Private Banking praktiziert, steht bei uns kein Produktverkauf, sondern die gesamtheitliche Lösung im Vordergrund.

Drittens Kompetenz: Dank Mitarbeitern mit erstklassigem Ausbildungsstandard und hoher Leistungsbereitschaft, welche die Werte des Private Banking verinnerlicht haben und weiter vererben.

Ich glaube, dass eine konsequente Fokussierung auf diese Kernwerte auch insgesamt den aktuellen Imageverlust des Brands «Swiss Private Banking» wieder zu kompensieren vermag.

Wachstum: Wie kann ein Wealth-Manager in einem so nervösen und gesättigten Markt organisch wachsen – abgesehen von der Abwerbung der Kundenberater, was eine eher kurzfristige Strategie ist?

Während «Building Wealth for Generations» unsere Ausrichtung ist,  sehe ich «Building Fans for Generations» als unsere Wachstumsgrundlage. Vereinfacht gesagt möchten wir nicht zufriedene, sondern begeisterte Kunden, denn gerade in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung ist die Chance durchaus gegeben, mit herausragender Arbeit überproportionales Wachstum zu generieren. Dieser Ansatz verlangt viel von jedem einzelnen. Aber im Rahmen unserer Firmenkultur sind die Voraussetzungen gegeben, selbst hohe Ansprüche einlösen zu können.

Nachhaltigkeit: Der Klimawandel ist eine der grossen Herausforderungen der Zukunft. Innovative Finanzinstitute entwickeln hierfür Lösungen. Ihre Anleger können dank spezialisierten Fonds vom Wachstumspotential dieser «Innovatoren» profitieren. Wie sieht die Nachhaltigkeits-Strategie bei der Bank Frey aus?

Ich zitiere zum zweiten Mal den schon lange etablierten Bank Frey Slogan «Building Wealth for Generations». Er besagt deutlich, dass wir uns nicht der kurzfristigen Gewinnmaximierung, sondern grundlegend der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen. Dies wirkt sich auf zwei Ebenen aus: Einerseits sind wir uns bewusst, dass eine intakte Umwelt die Basis unseres Daseins ist und leisten als Firma entsprechend unseren Beitrag. Andererseits wählen wir für unsere Kunden Anlagen in Gesellschaften mit nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Für Kunden, die explizit ein Engagement in diesem Bereich wünschen, stellen wir gerne auch Lösungen in Zusammenarbeit mit externen Experten zusammen. Eine differenzierte Betrachtung ist uns dabei wichtig: Man darf sich durchaus fragen, wie innovativ Finanzinstitute sind, die ja lediglich dem Trend folgen, wenn sie nun Finanzprodukte auf der Basis von alternativen Energien lancieren. Die wirkliche Innovation liegt bei den unterliegenden Gesellschaften. Ob sich dort eine plötzliche Kapitalschwemme immer direkt positiv auf die Resultate auswirkt, bezweifle ich.

Asset Allocation: Wie sieht Ihrer Meinung nach die optimale Portfolio-Diversifikation im heutigen Markt aus?


Eine sehr gute Frage, vor allem in solchen volatilen Zeiten. Das Vermögensverwaltungsgeschäft hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt – zu schnell für manche Marktteilnehmer, wie man an einigen doch erstaunlichen Fehleinschätzungen sieht. Für mich geht der Trend zur Verbreiterung des Anlageuniversums und zur Spezialisierung in den Anlageklassen weiter. Das heisst, dass eine Diversifikation über die Anlageklassen aber auch über die Investment Manager unausweichlich ist, vor allem wenn der Kunde einen aktiven Ansatz in den einzelnen Segmenten wünscht. Die optimale Diversifikation besteht darin, dass ich unterschiedliche Renditequellen sowie unterschiedliche Manager im Portfolio habe, die eine sehr tiefe Korrelation aufweisen.

Wandel: Wir leben in einer veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?


Change ist für mich «business as usual», jeder Tag bringt Changes mit sich. Der Begriff ist bei mir durchaus positiv besetzt – die Alternative «Stillstand» sehe ich als wesentlich problematischer.

Macht: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?

Ich wünsche mir allgemein mehr Mut, ein grösseres Selbstwertgefühl und die damit verbundene Bereitschaft zum positiven, nach vorne gerichteten Denken und Handeln. Aber ob alle Macht der Welt dies bewirken könnte?

Herr Bienz, wir bedanken uns für das Interview.

 

Interview: Zoran Bozanic, Oktober 2008

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