Dr. Willi Leimer ist Partner der Zürcher Vermögensverwaltung WMPartners. Nach dem Studium der Ökonomie an der Hochschule St. Gallen und einigen Jahren bei Goldman Sachs & Co. in Zürich und New York war Dr. Willi Leimer ab 1990 als Managing Director Private Wealth Management bei Morgan Stanley tätig. Seit 2002 ist er bei WMP dabei als Partner sowie Vizepräsident und Delegierter des Verwaltungsrats.
Wir sprachen mit Dr. Willi Leimer über Entwicklungen und Herausforderungen im Schweizer Private Banking.
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change.ch
Welche spezifischen Anlagestrategien verfolgt WMPartners?
Willi Leimer
Grundsätzlich bieten wir unseren Kunden zwei Anlagemodelle an. Ein erstes Modell basiert auf Einzeltitel, ein zweites auf Fonds. Für beide Modelle nimmt unsere hausinterne, unabhängige Research-Abteilung die Selektion der Titel vor. Unsere Einzeltitelselektion orientiert sich an quantitativen und qualitativen Kenngrössen der jeweiligen Unternehmungen. Das gilt auch für unsere hauseigenen Produkte wie beispielsweise den WMP Global Equity Fund. Davon unterscheidet sich der Selektionsprozess bei fondsbasierten Umsetzungen. Dabei nehmen wir das Anlagenmanagement von externen Spezialisten in Anspruch - zum Beispiel vom Management des Vontobel Global Trend New Power. Wir selektieren jedoch die Anlagemanager selber und nach einem klar festgelegten Prozess. Die weiteren Aspekte des Anlagenmanagements wie der erwartete Ertrag, die Risikoneigung und -fähigkeit, der Anlagehorizont sowie die aus diesen strategischen Fragestellungen resultierende Aufteilung auf Vermögensklassen – kurzfristige Anlagen, Anleihen, Aktien und alternative Anlagen – sind kundenspezifischer und damit individueller Natur.
Sie haben den «WMP Fish Focus Equity Fund» in Ihrem Angebot. Was zeichnet diesen aus?
Unser Anlageprozess ist eher thematisch als geographisch orientiert. Im Verlauf unseres Screeening-Prozesses nach Anlagethemen für den WMP Global Equity Fund wurden wir auf die Fischerei-Industrie aufmerksam. Diese Branche erlebt in Folge relativ niedriger und zugleich fallender Preise für Fischprodukte sowie aufgrund ihres zyklischen Charakters eine schwache Anlagenpräferenz und damit geringe Repräsentanz in Kundenportfolios. Dabei sind rund 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände weltweit bis an ihre Grenzen befischt oder gelten bereits als überfischt. Das heisst das sinkende Angebot bei gleichzeitig steigender Nachfrage kann künftig nur noch durch Fischproduktion aus Aquakulturen gedeckt werden. Bei bestehendem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage muss darüber hinaus mit steigenden Fischpreisen gerechnet werden. Fischfarmen, Futterhersteller und deren Ausrüster, sprich die Wertschöpfungskette der Aquakulturen, dürften von dieser Entwicklung begünstigt werden. In diesen Themenbereich investiert der WMP Fish Focus Fund.
Die Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden. Wie erlebt WMPartners als privater Schweizer Vermögensverwalter die Krise?
Besonders in Krisenzeiten zeigt sich aus Sicht des Kunden der zusätzliche Nutzen unserer Marktstellung als externer Vermögensverwalter. Die Geschäftsbeziehung zwischen Kunden und WMPartners besteht im Wesentlichen aus dem Auftrag, das Vermögen gewinnbringend anzulegen. Dabei liegen die Wertschriften auf einer mit dem Kunden gemeinsam ausgewählten Bank, wobei Investition und Bank in keinem Verhältnis zueinander stehen. Mit anderen Worten entfällt das Risiko «Bank» für unsere Kunden komplett, von operationellen Risiken wie beispielsweise Transaktionsabwicklungen ganz abgesehen. Darüber hinaus meiden wir selber seit längerer Zeit Investitionen in Finanzdienstleistungsunternehmen sowie in strukturierte Produkte. Deshalb überrascht es wenig, dass wir zur Zeit grössere Zugänge von verunsicherten, ehemaligen Bankkunden verzeichnen dürfen.
Der Fall Liechtenstein hat auch den Druck auf die Schweiz erneut erhöht. Welche Sicherheiten bietet das Schweizer Bankkundengeheimnis? Bleiben diese Sicherheiten in Zukunft bestehen?
Das Schweizer Bankgeheimnis schützt den Kunden vor unberechtigten Eingriffen in seine Privatsphäre. Es bietet die Sicherheit, dass kein Dritter ohne entsprechende Vollmacht Auskunft oder Einsicht in seine Geschäftsbeziehungen erhält. Das Bankgeheimnis ist eine Notwendigkeit für die Schweiz und den Finanzplatz geworden, indem es persönliche Integrität und Privateigentum schützt. Diese Sicherheit wird es deshalb auch in Zukunft geben, auch wenn sich der Druck von aussen, insbesondere wegen der Affäre Liechtenstein, verstärkt. Ob das Bankgeheimnis zukünftig auch bei Rechtshilfe in Fällen von Steuerhinterziehung greift, wird ein Traktandum der Gespräche zwischen der EU und den USA sein.
Wo sehen Sie die grössten aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter?
Der Kunde ist zunehmend besser informiert, risiko- und kostenbewusster, insgesamt im besten Sinne des Wortes anspruchsvoller. Diesen Marktgegebenheiten kann nur ein Vermögensverwaltungsangebot gegenüberstehen, das noch kompetitiver, professioneller und transparenter wird. Sinnhaftigkeit entsteht für den Kunden nur, wenn wir unsere gemeinsamen Anlageziele erreichen. Ehrlichkeit, Transparenz, Performance und Individualität gehören zur Grundmaxime.
Wie begegnet WMPartners diesen Herausforderungen?
Unser Team orientiert sich an einem klar strukturierten, kundenorientierten Anlageprozess. Neben der Einbringung unserer Erfahrung und unseres Berufswissens geht es vor allem darum, den Kunden in seiner spezifischen Vermögenssituation zu erfassen sowie von den wahrscheinlichsten zukünftigen Verpflichtungen und Einkünften auszugehen. Die Umsetzung einer individuellen Anlagestrategie wird überwacht, gesteuert und in Form von Reporten an unsere Kunden kommuniziert. Über allen unseren Tätigkeiten steht unser Grundsatz «Maximale Performance zu einem fairen Preis».
Wie hat sich das Marketing im Private Banking in den letzten Jahren verändert? Wie wird es sich in Zukunft verändern?
In den vergangenen 10 Jahren haben sich die Banken tendenziell integriert. Sie haben sich zu «Wertschöpfungsfabriken» entwickelt, die Produktentwicklung als Teil des Investment Banking sowie Beratung und Verwaltung als Bestandteil des Private Banking in ein verstärktes Abhängigkeitsverhältnis zueinander setzen. Eine erhöhte hausinterne Produktion von komplexeren Produkten wurde in einem gewissen Sinn künstlich erzeugt. Denn es liegt nahe, dem Kunden eigene Produkte anbieten zu wollen und seine Bedürfnisse damit aus dem Fokus zu verlieren. In der Folge entstanden Transparenzdefizite. Dem Kunden konnten die Preise unterschiedlicher Dienstleistungen wie Produktentwicklung, -management, Beratung und Verwaltung nicht mehr sauber getrennt ausgewiesen werden. Neben der Produktentwicklung und dem Kundengeschäft steht das Eigengeschäft. Die potenziell fatalen Folgen für die Banken aus dem Eigengeschäft sind aus der jüngsten Geschichte bekannt, vom Schaden auf Kundenseite abgesehen. Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Integration der verschiedenen Geschäftsfelder einer Bank in den vergangenen Jahren tendenziell zu einer «Demokratisierung des Risikotragens» geführt hat: Die Geschäftsrisiken einer Bank werden getragen durch immer mehr Parteien – bis hin zu den Notenbanken als «Lender of Last Resort». Diese Situation führte überhaupt dazu, dass die Banken grössere Risiken eingegangen sind. Die kommenden Jahre werden aber im Zeichen einer Gegenbewegung stehen.
Welche Veränderungen würden Sie sich im Private Banking wünschen?
Ganz einfach: Im Zentrum steht der Kunde mit seinen Bedürfnissen. Kunde und Anlagespezialist erarbeiten gemeinsam die Anlageziele, eine Strategie und deren Umsetzung. Die Anlageresultate werden dem Kunden periodisch oder ad hoc kommuniziert. Die eingesetzten Produkte haben einfach zu sein. Und die Vermögensverwaltung muss zu einem fairen, transparenten Preis angeboten werden.
Und schliesslich unsere Change-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?
Ich würde eine Möglichkeit suchen, sämtliche Strukturprobleme wie Hungersnöte zu eliminieren. Konkret leistet WMPartners einen ganz bescheidenen Beitrag. Wir investieren beispielsweise global in die Landwirtschaft sowie in die Kreditfinanzierung von Klein- und Kleinstunternehmungen – die so genannte Micro Finance – und tragen damit zur Effizienzsteigerung auch in diesen Bereich bei.
Herr Leimer, besten Dank für dieses Interview.
Interview: Zoran Bozanic und Benjamin Manz
Juni 2008
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