31. Juli 2010
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«Wir leben mehr und mehr in einer Netzwerkgesellschaft»

Dr. Peter Moertl ist Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Fortune Management Inc. und Mitgründer des «Family Office Roundtable», einem exklusiven Club von 35 bedeutenden Family Offices und Familien.
 
Wir sprachen mit Dr. Peter Moertl über die Situation der unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz sowie über die Perspektiven und Entwicklungstendenzen der Branche.
 

 
   
 

change.ch
Wie kürzlich eine Umfrage gezeigt hat, sind Testkunden mit der Betreuung bei den Schweizer Banken nicht zufrieden. Alte Modelle der Kundenbetreuung passen nicht mehr in unsere Zeit. Leisten hier die unabhängigen Vermögensverwalter bessere Arbeit?

Dr. Peter Moertl
Das Ergebnis der Umfrage ist nicht verwunderlich. Die individuelle, unabhängige Kundenbetreuung über viele Investmentzyklen und Generationen hinweg ist der Kern des Geschäftsmodells eines unabhängigen Vermögensverwalters. Dieses wird gelebt und täglich umgesetzt.

Wie sehen die Marktperspektiven und Entwicklungstendenzen – national und international – aus der Sicht der unabhängigen Vermögensverwalter aus?

Dr. Peter Moertl
Wir sehen drei Trends: 1. Die geordnete Nachfolgeplanung, sei es intern, durch Gewinnung jüngerer Partner oder Verkauf des Unternehmens an eine bankenunabhängige Plattform. 2. Die Wachstumsfinanzierung. Viele der Wachstumsmärkte liegen ausserhalb der klassischen Märkte in Europa: Sie liegen im Fernen Osten, in Indien, im Mittleren Osten oder Lateinamerika. Hier zu arbeiten und zu investieren bedarf grösserer Liquidität und bedingt die Anstellung von Talenten, die diese Märkte kennen, bereisen und Neugeld akquirieren. 3. Eine Erhöhung des Berichterstattungsdruckes und damit die Annäherung an eine Bankenaufsichtplattform.

Geniesst der Finanzplatz Schweiz nach wie vor einen guten Ruf? Oder ist es notwendig, dass wir durch internationale Werbung den Brand «Swiss Banking» professionell fördern und stärken?

Dr. Peter Moertl
Ein Drittel des Weltvermögens, also rund 5 Billionen Franken, werden in der Schweiz betreut und verwaltet. Auch wenn der Trend Richtung On-Shore-Banking in den einzelnen Staaten geht, wird sich dieser Anteil in der nächsten Zukunft nicht radikal verändern.

Wie man weiss, werden die armen Menschen immer ärmer und die Reichen immer reicher. Kann man diese Entwicklung auch auf die Finanzinstitute übertragen?

Dr. Peter Moertl
Die Frage bei Unternehmen lautet nicht, reicher oder ärmer zu werden. Vielmehr geht es um Produktionseffizienz, Produkt-und Denstleistungsdifferenzierung und die Skalierbarkeit des Vertriebs. Wenn diese drei Faktoren nicht vorhanden sind, haben auch Finanzinstitute - egal welcher Grösse - keine Überlebenschance.

Das grösste Kapital einer Unternehmung sind die Mitarbeiter, wie man sagt. Wie gewinnt man heute gute Kundenberater?

Dr. Peter Moertl
Anfang des Milleniums wurde der Ausdruck «War for Talent» geprägt. Der hat sich nach der Baisse Ende 2003 heute mehr als je bestätigt. Neben einer spannenden, unternehmerischen Unternehmenskultur müssen Sie Kundenberatern Perspektiven in bezug auf mögliche Beteiligung am unternehmerischen Erfolg geben, eine klare Vision und Stetigkeit in der Strategie.

Was muss der nachhaltig erfolgreiche Private Banker primär mitbringen: Den Hochschulabschluss oder ein gutes Netzwerk?

Dr. Peter Moertl
Wir leben mehr und mehr in einer Netzwerkgesellschaft, was sich in Zukunft weiter verstärken wird. Daneben ist neben einer fundierten Ausbildung (nicht alleine Hochschule oder Universität) vor allem die fortlaufende Weiterbildung ein Schlüssel zum Erfolg. Ich denke da vor allem an den CFA oder AZEK im Portfolio Management oder an das Executive MBA der Swiss Finance.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Sie sind Ausländer und leben in der Schweiz. Was bedeutet Zürich für Sie?

Dr. Peter Moertl
Als gebürtiger Österreicher fühle ich mich in der Schweiz pudelwohl. Was die Lebensqualität in Zürich betrifft, schliesse ich mich voll dem Urteil von so vielen Umfragen mit gleichen Resultat an: Zürich ist und bleibt die «most desired city to live in». Einfach phantastisch!

Herr Moertl, besten Dank für dieses Gespräch.
 

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