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Welches war das Hauptmotiv zum Aufbau respektive Ausbau des Private Banking in Asien?
Franz Josef-Lerdo
Traditionellerweise lagen unsere Stärken im Private Banking in Europa. Da die Wachstumsaussichten hier jedoch beschränkt sind, investieren wir in neue Märkte und erschliessen somit weitere Geschäftsgebiete. In Singapur sind wir seit 1999 mit einer Repräsentanz vertreten und beobachten die rasante Entwicklung des Finanzplatzes. Hohe Wachstumsraten und die Förderung attraktiver Rahmenbedingungen durch den Staat eröffnen sehr interessante Perspektiven. Um dieses Potential nutzen und an den Chancen des asiatischen Marktes teilhaben zu können, schaffen wir nun die Voraussetzungen für eine Expansion unserer Tätigkeit und prüfen die Eröffnung einer Niederlassung.
Was waren die Gründe für den Standortentscheid Singapur?
Franz Josef-Lerdo
Singapur hat sich in den letzten Jahren mit den weltweit höchsten Wachstumsraten im Private Banking deutlich zum führenden Finanzzentrum in Asien entwickelt. Alle wichtigen globalen Wettbewerber haben hier eine Vertretung. Praktisch alle nutzen den Standort als Hub für die Region. Mittlerweile gibt es mehr als 30 Privatbanken, weitere kommen hinzu und bauen ihre Präsenz auf. Die Kunden, aber auch professionelle Vermögensverwalter schätzen an Singapur die politische Stabilität, die erstklassige Infrastruktur und die attraktiven steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach Vorbild der Schweiz besteht ein vergleichbarer Schutz der Privatsphäre. Zentral ist für uns zudem die Nähe zu unseren asiatischen Kunden.
Weshalb haben Sie sich für den Ausbau der eigenen Organisation und gegen eine Akquisition entschieden?
Franz Josef-Lerdo
Die Übernahme einer bestehenden Organisation stellt für uns keine strategische Option dar. Seit sieben Jahren vor Ort präsent, haben wir eigene Erfahrungen gesammelt, wichtige Kompetenzen erworben und Kontakte aufgebaut. Wir möchten auf diese zurückgreifen und sie gewinnbringend umsetzen. Die mögliche Umwandlung unserer Repräsentanz in eine Niederlassung würde ein weiterer Schritt im stetigen Ausbau unserer Geschäftstätigkeit in der Region Asien-Pazifik bedeuten.
Wie positioniert sich die Dresdner Bank (Schweiz) AG in Asien?
Franz Josef-Lerdo
Die Zielgruppen unserer Tätigkeit in Asien definieren wir primär aufgrund der Kundendomizile, wobei wir nicht eine Segmentierung nach Ländern vornehmen, sondern einen Ansatz nach Ethnien verfolgen. Wir fokussieren Märkte mit einem hohen Anteil an internationalen Geldern und Kunden, die in verschiedenen Ländern der Region tätig sind. Als Beispiele seien hier nicht-residente Inder, Chinesen und Malayen in Märkten wie Singapur, Hongkong, Indonesien, Malaysia und Taiwan genannt. China ist der Markt der Zukunft, die Zeit ist aber noch nicht reif für ein aktives Engagement.
Durch was unterscheidet sich die Dresdner Bank (Schweiz) AG von anderen Wettbewerbern in Singapur?
Franz Josef-Lerdo
Wir setzen auf jene Eigenschaft, die das klassische Swiss Private Banking auszeichnet: Bestrebt, uns von unseren Mitbewerbern durch einen bestmöglichen Kundenservice abzuheben, bieten wir eine ganzheitliche und qualitativ hochstehende Beratung an. Mit innovativen, lösungsorientierten Dienstleistungen und Produkten generieren wir für unsere Kunden einen hohen Mehrwert. Eine umfassende Betreuung unserer Kunden vermögen wir nicht zuletzt auch durch unsere Zugehörigkeit zur Allianz Gruppe sicherzustellen. Die Integration in ein weltweites Netzwerk ermöglicht uns, auf vielfältige Ressourcen sowie ein breites Know-how zurückzugreifen und Cross-Selling-Möglichkeiten wahrzunehmen.
Wie sieht das Produktangebot für den asiatischen Raum aus?
Franz Josef-Lerdo
Kunden aus Asien weisen in der Regel überdurchschnittliche Kenntnisse der Finanzmärkte aus und unterscheiden sich von europäischen Investoren, was Zeithorizont, Risikobereitschaft und Vermögensverwaltung betrifft, signifikant. Sie sind generell tradingorientierter und damit aktiver in der Bewirtschaftung ihrer Anlagen. Dies hat zur Folge, dass teilweise sehr individuelle, massgeschneiderte Lösungen gefunden werden müssen. Als Unternehmen der Allianz Gruppe mit Zugang zu einer ausserordentlich breiten Produktpalette sind wir dazu in einer sehr komfortablen Lage. Wir greifen aber auch auf Produkte und Dienstleistungen Dritter zurück. Diese Politik einer offenen Produktplattform hat sich bewährt.
Wird Singapur durch ein deutsches oder ein asiatisches Management geführt?
Franz Josef-Lerdo
Seit ihrer Eröffnung 1999 leitet mit Kurt Schenk ein Schweizer die Repräsentanz. Als Mitglied der Dresdner Gruppe fliesst zudem deutsche Management-Kultur ein. Unsere Kunden legen grossen Wert auf eine Betreuung durch einen Berater, der sich im Swiss Private Banking versteht.
Wie problematisch entwickelt sich die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Franz Josef-Lerdo
Das Gewinnen kompetenter Mitarbeiter für unsere Bank erweist sich als sehr schwierig. Asien verzeichnet eine der höchsten Zuwachsraten vermögender Leute, weshalb viele Banken Ihre Geschäftsaktivitäten erweitern und Bedarf an qualifiziertem Personal haben. Das Angebot vermag der Nachfrage nicht zu genügen. Insbesondere umfassendes Know-how im Private Banking und Erfahrung im internationalen Kontext sind nicht ausreichend vorhanden.
Herr Lerdo, wir danken Ihnen für das Interview.
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