André Diem gründete 2003 die unabhängige Vermögensverwaltung Diem Client Partner AG in Zollikon. Das Unternehmen hat sich auf Ölaktien und Risikomanagement spezialisiert. Nach seinem Wirtschaftsstudium in St.Gallen arbeitete André Diem erst ein Jahr als Geschäftsleitungsassistent in Tokyo, um danach als Management Berater bei der Boston Consulting Group tätig zu werden. Anschliessend war er von 1996 bis 2003 Portfoliomanager und Vice President bei der HSBC Guyerzeller Bank in Zürich. André Diem schreibt regelmässig Fachartikel in verschiedenen Wirtschaftspublikationen und gab 2007 sein Buch «Geld Gold Glück» über Geldanlagen und Investments heraus.
Wir sprachen mit dem Finanzexperten über die Entwicklung der globalen Wirtschaft, den Ölpreis und den Einfluss der internationalen Finanzkrise auf die Schweizer Wirtschaft.
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change.ch
Herr Diem, die Börsen werden von starken Turbulenzen durchgeschüttelt. Wie erleben Sie das äusserst aussergewöhnliche Marktgeschehen?
André Diem
Um ehrlich zu sein fühle ich mich wie der Fisch im Wasser trotz der hohen Wellen ganz wohl. Denn die derzeitigen Ereignisse waren für uns nicht wirklich unerwartet. Bedenkt man, dass derartige Einbrüche in den vergangenen 100 Jahren beinahe alle fünf bis sechs Jahre auftraten, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Boomphase der letzten fünf Jahre ein Ende fand. Davor habe ich schon in meinem Buch «Geld Gold Glück» gewarnt und uns frühzeitig abgesichert. Ausserdem bieten sich jedem auch grosse Chancen in solchen turbulenten Zeiten: Viele Titel sind derzeit historisch tief bewertet und damit günstig zu haben!
Zum Schwerpunkt Ihrer Dienstleistungen zählen Sie unter anderem die «konservative Vermögensverwaltung». Wie sieht Ihre Anlagepolitik aus?
Für unsere konservativen Kunden schnallen wir den Sicherheitsgurt gleich doppelt an: Zehn Prozent des Vermögens sind bei unseren konservativen Kunden immer in Gold angelegt. Aktientitel wählen wir sehr sorgfältig aus und stellen so sicher, dass nur in Top-Qualitätsunternehmen investiert wird.
Die Philosophie von Diem Client Partner lautet: «Biete dem Kunden Sicherheit». Welche Sicherheiten, aus der Sicht eines Vermögensverwalters, kann man dem Kunden bei solch einer Marktentwicklung bieten?
Sicher gibt es keine absolute Sicherheit. Aber unser Ziel ist es, dem Kunden durch gezielte und frühzeitige Absicherungen auch in schlechten Börsenzeiten eine bestmögliche Performance zu sichern. Dank solchen Absicherungen auf den SMI und Gold sind wir jetzt bei minus drei Prozent, – verglichen etwa mit dem Europäischen Aktienindex konnten wir uns also sehr gut halten.
Rohstoffe: Sie sind ein Ölaktien-Spezialist. Ölpreis – quo vadis?
Natürlich steht der Ölpreis unter dem starken Druck einer schwachen Wirtschaft. Dennoch halte ich noch immer an meinem Szenario fest, welches ich erst kürzlich in einem Interview der Schweizer Tagesschau schon dargelegt hatte. Ein weiter sinkender Ölpreis wird die Öl produzierenden Länder ermutigen, die Ölförderung weiter zu drosseln. Damit könnte der Ölpreis durchaus kurzfristig wieder auf 120 USD steigen. Langfristig wäre sogar ein Ölpreis von 200 USD denkbar.
Allgemeine Wirtschaft: Wie sehen Sie die Entwicklung der globalen Wirtschaft für die kommenden sechs bis zwölf Monate?
Mit Sicherheit sind die Aussichten eher schlecht denn rosig. Die Börse aber wird sich noch vor der Wirtschaft erholen.
Schweizer Wirtschaft: Steht uns eine Rezession bevor?
Die Schweizer Wirtschaft stellt bekanntlich eine stark finanzlastige Wirtschaft dar. Mit der Finanzkrise im Hintergrund wird die US-Rezession deshalb durchaus auch die Schweiz stark treffen.
Wandel: Wir leben in einer veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Ich denke, dass «Change» uns täglich begleiten sollte, denn schliesslich kann sich nur verbessern, wer sich auch verändert. Ich persönlich versuche deshalb täglich, mich ein Stück zu verbessern.
Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?
Im Sinne meiner Kunden sollte ich wohl am Besten in mehr Sicherheit an der Börse investieren: Was wäre da also besser, als die Menschen von der Gier in Boomzeiten zu befreien – und von den Ängsten in den Zeiten der Panik erlösen?
Herr Diem, wir danken Ihnen für dieses Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Oktober 2008
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Herr Dobelli, Sie sind der Gründer von Zurich.Minds. Sagen Sie uns doch bitte, welche Personen trifft man an Ihren Veranstaltungen? Zurich.Minds versteht sich als Plattform für
herausragend intelligente, kreative und innovative Persönlichkeiten aus
Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Politiker sind explizit ausgeschlossen. Die
Leute sind mit viel Leidenschaft dabei; es findet ein reger Austausch von Ideen
und Erfahrungen statt.
Roger Köppel, Chef-redaktor der Weltwoche
Chancen: Die Schweiz steht als Land überdurchschnittlich gut da. Wenn die Schweiz die Schweiz bleibt, sind ihre Aussichten hervorragend. Changes: Ich wünsche mir einen Bundesrat, der sich entschiedener hinter unser Land stellt.
«Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?»
Otto Ineichen, Unter-nehmer: "Ich würde der Ökologie oberste Priorität einräumen. Nur sie wird möglichst breit abgestützte Sicherheit für alle bringen."
Urs Egger, CEO, Swisscontact und Zürcher FDP-Stadt-ratskandidat: "Ich würde den Armen dieser Welt den Zugang zu Bildung, politischen Rechten und Märkten ermöglichen."
Hansueli Loosli, Coop-Chef: "Mit globaler Wirtschaftpolitik allen Erdbewohnern ein lebenswertes Leben ermöglichen."
Eric Syz, Gründungs-mitglied und General Manager der Bank Syz & Co. AG: "Hätte ich diese Macht, würde ich nicht viel verlangen. Lediglich, dass unsere Finanzindustrie im gleichen Masse die Unterstützung seitens der Behörden und der Medien erfährt, wie dies bei unseren Konkurrenten der Fall ist. Es ist interessant festzustellen, dass sich die angelsächsische Presse stets auf die Seite ihres Finanzplatzes schlägt, während wir einen gewissen Hang zur Selbstgeisselung pflegen. In der Schweiz gehört es zum guten Ton der Medien, systematisch die Banken zu kritisieren, während uns die öffentliche Meinung weitgehend wohlgesinnt ist."
Antoinette Hunziker-Ebneter, CEO, Gründ-ungspartnerin und Vizepräsidentin des Verwaltungsrats Forma Futura Invest AG in Zürich: "Ich würde ein nachhaltiges volks-wirtschaftliches System einführen mit neuen, sinnvollen Zielen für Wachstum, Wohlfahrt und Effektivität. Als neues Instrument würde ich zusammen mit der neuen Generation auf allen Kontinenten eine Betriebswirtschaftslehre entwickeln, welche ökonomische, ökologische und ethische Aspekte integriert."
Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter von Greenpeace in der Schweiz:"Das sich die Menschen bei jeder grossen Frage zuerst ans Herz statt ans Portemonnaie greifen."
Martin Bisang, CEO, Bellevue Group AG: "Ich möchte die jungen Leute motivieren, in der heutigen Welt etwas Positives in Bewegung zu setzen, am liebsten natürlich, in dem sie Unternehmer werden."
Dr. Hans-Peter Fricker, CEO des WWF Schweiz. "Die sofortige, weltweite Umstellung auf einen Lebensstil, der allen Erdenbewohnern eine sichere Existenz, fernab von Hunger und Mangel, und der Erde als ganzer eine intakte Zukunft garantiert."
Paola Ghillani, Inhaberin, Paola Ghillani & Friends AG: "Ich würde ein wirtschaftliches Modell umsetzen, welches allen Menschen dient. Die entscheidende Frage ist: welche «Art von Menschheit» wollen wir? Welches ist unser Daseinsgrund? Es sollte der Sinn unseres Lebens sein, die Entwicklung der Menschheit in Frieden und Harmonie zu erlauben und aktiv zu fördern."
Urs Winkler, CEO, World Vision Schweiz: "Ich würde die Herzenshaltung der Menschen verändern, so dass nicht mehr Egoismus und Habgier dominieren, sondern wichtige christliche Werte wie Nächstenliebe, Versöhnung und Gerechtigkeit voll zum Tragen kommen. Damit hätten wir eine Welt, in der Frieden herrscht und alle Menschen ein Leben in Würde führen können."
Dr. Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen Group: "Ich würde versuchen, einer wertorientierten Führung stärker zum Durchbruch zu verhelfen: durch motivierte Verantwortungsträger und nicht durch zusätzliche Gesetze."
Otto Ineichen, Unternehmer und Nationalrat: "Ich würde der Ökologie oberste Priorität einräumen. Nur sie wird möglichst breit abgestützte Sicherheit für alle bringen."
Doris Fiala-Goldiger, PR-Beraterin und Nationalrätin: "Wenn ich alle Macht der Welt hätte, würde ich ganz sicher versuchen, die unglaublich schwierige Situation in den Subsahara-Staaten zu verbessern. Diese Länder leiden unter zahlreichen bewaffneten Konflikten, Wasser-knappheiten sowie einer immer grösseren Armut. Aufgrund dessen findet eine zunehmende Völkerwanderung statt. Wir müssen mit friedensfördernden und stabilisierenden Massnahmen dafür sorgen, dass sich die Situation in diesen Ländern entspannt, indem wir uns etwa für eine bessere Governance und gegen Korruption einsetzen. Wenn uns das nicht gelingt, wird das auch für Europa Konsequenzen haben."
Jürg Bucher, CEO, PostFinance sowie Mitglied der Konzern-leitung der Schwei-zerischen Post. "Die Welt steht vor der riesigen Herausfor-derung, für eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen, die den nächsten Generationen gute Lebensqualität bietet."
Dr. Fleur Platow ist Finanzkolumnistin: "Ich würde den Prozess der sich wieder öffnende Schere zwischen Arm und Reich auf dieser Welt revidieren. Denn soviel ist gewiss: Die Finanzkrise zeigt ihre Spuren insbesondere in den Elendsvierteln der Schwellenländer – aber nicht nur dort."
Yves Mirabaud, Partner, Mirabaud & Co, Genf: "Natürlich würde ich gerne mehrere «Changes» realisieren. Aber um hier nur einen «Change» zu nennen: Ich wünschte, dass die Privatsphäre garantiert wird. Die Terroranschläge und die Finanzkrise haben den Staaten einen fantastischen Vorwand geliefert, das Leben ihrer Mitbürger zunehmend zu kontrollieren. Das weckt in mir nicht nur schöne Erinnerungen. Das soll allerdings selbstverständlich nicht heissen, dass für die Umgehung der gesetzlichen Normen unseres Wohnsitzlandes ein Freischein ausgegeben werden soll."
Maya Onken, Schulleiterin und Autorin: "Ich würde gerne einmal die herrschenden, von Männern geprägten Machtverhältnisse auf-heben und die Frauen an die Macht kommen lassen. Es würde mich interessieren, was passiert, wenn die Männer zwei Drittel der Weltarbeit leisten, dafür lediglich zehn Prozent vom Gesamtlohn erhalten und nur noch ein Prozent vom Weltvermögen in den Händen halten."

Barack Obamas Slogan lautet: «Change – Yes We Can!» Wie lautet Ihr Slogan?
Renate Schwob, Leiterin Finanzmarkt Schweiz und Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung: "Können allein genügt nicht. Es braucht zusätzlich den Willen und die
Bereitschaft, etwas zu tun. In diesem Sinne möchte ich sagen: Yes, we
can, we will and we shall..."
Klaus J. Stöhlker, PR Berater und Autor: "Simply the best."
Daniel Jositsch, SP-Nationalrat und Professor für Strafrecht: "Ich setze mich ein für einen starken, sozialen und ökologischen Kanton Zürich."
Joachim H. Strähle, CEO, Bank Sarasin & Cie AG: "Um das durch die Finanzkrise verlorene Vertrauen der Marktteilnehmer
wieder zurückzugewinnen, müssen wir als Bank Verlässlichkeit und
Qualität garantieren. Entscheidend sind in unserem Business die
Rückbesinnung auf alte Werte wie Kundenorientierung, die Ausrichtung
auf ein effizientes Geschäftsmodell sowie die Definition eines klaren
Leistungskatalogs. Meine Devise lautet hier: „Nur das tun und anbieten,
was wir wirklich gut können.“ Ich bin entsprechend überzeugt, dass der
Markt die von der Bank Sarasin fokussierte Geschäftsstrategie
honoriert. Wir setzen damit nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung,
sondern auf Nachhaltigkeit und Beständigkeit – zwei sehr verlässliche
Werte."
Urs Meier, Unternehmer und Fussballexperte: "Solange es ein Besser gibt, ist gut nicht gut genug."
Natalie Rickli, Nationalrätin: "Für eine selbstbewusste Schweiz."