Chatzoudis: «Starkes Wachstum der Schwellenländer erwartet»
Dimitri Chatzoudis ist Manager der Fonds Robeco Emerging Marktes Equities und Robeco Emerging Stars Equities. Der 40-Jährige verfügt über 16 Jahre Erfahrung im Finanzbusiness. change.ch sprach mit Dimitri Chatzoudis über Investitionen in Schwellenländer und aktuelle Tipps für Anleger.
change.ch
Herr Chatzoudis, alle reden vom Wachstumsmotor der Emerging Markets. Wie nachhaltig ist das Wachstum in den Schwellenländern wirklich?
Es gibt mehrere Gründe dafür, dass das stabile Wachstum in den Schwellenländern sich auch langfristig fortsetzen wird. Dieses liegt strukturell bedingt höher als in den westlichen Industrieländern. Die Bevölkerungen der Schwellenländer sind jung und wachsen schneller als in den entwickelten Ländern. Als Folge davon ist auch der Anteil der werktätigen Bevölkerung höher als im Westen. Zudem wachsen die Volkswirtschaften der Schwellenländer stärker – allerdings ausgehend von einem heute tieferen Niveau. Trotzdem: Der Wachstumsvorsprung zu Europa und den USA hat zugenommen. Ein weiterer Vorteil der Schwellenländer: Die Verschuldung der Staaten und Unternehmen ist tiefer als bei uns, was zur Folge hat, dass die meisten Firmen mehr finanziellen Spielraum haben und Konjunkturpakete mehr Wirkung zeigen.
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Wieso sollten Anleger jetzt noch einsteigen?
Das stärkste Wachstum in der Welt wird auch in den kommenden Jahren in den Schwellenländern erwirtschaftet werden. Die Bewertungen sind immer noch tief und die Unternehmen erwirtschaften Gewinne aufgrund ihrer Produktionskraft. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im Durchschnitt bei 13. Nachdem das Wachstum in den Schwellenländern in den 90er Jahren tief war, hat es sich seit 2000 stark entwickelt. Wir gehen davon aus, dass sie in den kommenden Jahren zwischen 3 und 4 Prozent im Jahr stärker wachsen als Industrieländer.
Welche Schwellenländer werden sich denn Ihrer Meinung nach besonders positiv entwickeln?
Wir glauben an die Türkei. Dort sind die Zinsen stark gefallen, zudem ist der Hypothekenmarkt erst gerade im Aufbau begriffen. Beides wird den Konsum ankurbeln. Die Türkei ist deshalb neben Südkorea, Brasilien, China und Indien eine der fünf grössten Positionen im Fonds Robeco Emerging Stars Equities.
Verraten Sie uns einige Investment-Favoriten aus Schwellenländern?
Wir gehen davon aus, dass die Turkiye Halk Bankasi vom Aufschwung in der Türkei profitieren wird. LG Electronics aus Südkorea findet man heute auch in der Schweiz in jedem Fachgeschäft. Die qualitativ hoch stehenden Produkte gewinnen auch zunehmend Marktanteile in Schwellenländern dank der Nachfrage bei der prosperierenden Mittelklasse.
Wo liegen die Risiken bei Investments in Schwellenländern?
Viele Schwellenländer sind abhängig von Exporten. Wegen massiv eingebrochenen Exporten stützt die chinesische Regierung mit staatlichen Massnahmen das Wachstum. Millionen von Wanderarbeitern sollen im weniger entwickelten Landesinneren Arbeit finden. Es geht darum, dass die Schwellenländer ihren Binnenkonsum stärken. Das ist in China der Fall, aber auch in Indien, wo die Mittelschicht mit über 300 Millionen Menschen ein zunehmender Treiber der Wirtschaft ist. Die weltweite Konjunkturabkühlung und der Zerfall der Rohstoffpreise haben die Schwellenländer getroffen. Diese haben sich aber bemerkenswert schnell wieder erholt, was zeigt, wie dynamisch diese Länder wachsen. Wir gehen davon aus, dass die Schwellenländer künftig eine noch wichtigere Rolle für die Weltwirtschaft spielen.
Wir leben in einer dynamischen Zeit. Mit was bringen Sie Change in Verbindung?
Mit der Globalisierung. Sie hat die Welt verändert und tut es immer noch. Stillstand bedeutet Rückstand. Konstanter Wandel – ein Synonym für Schwellenländer – ist deshalb das beste Mittel, um vorwärts zu kommen.
«Yes we can» ist Obamas Claim. Welcher ist der Ihrige?
«Mit der richtigen Anlagestrategie ist langfristiger Mehrertrag möglich». Gemäss morningstar.ch steht die EUR D-Klasse von Robeco Emerging Stars Equities über die letzten drei Jahre an der Spitze von 382 in der Schweiz aufgelegten Schwellenländer-Fonds.
Wenn Sie alle Macht der Welt hätten: Was würden Sie ändern?
Strukturelle Ungleichgewichte anpacken: Schwellenländer-Haushalte sollten weniger sparen und mehr ausgeben und dadurch den Binnenkonsum ankurbeln. Auf der anderen Seite sollte in den westlichen Industrienationen weniger auf Pump konsumiert, sondern wieder vermehrt gespart werden. Damit wäre der ganzen Weltwirtschaft geholfen.
Interview: Zoran Bozanic, November 2009
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