Ledermann: «Es ist deutlich spürbar, dass sich die Weltwirtschaft wieder erholt»
change.ch im Gespräch mit dem Genfer Privatbankier Carlos Esteve, Gründer und Partner der Banque Heritage und Serge Ledermann, Partner und Head of Asset Management.
change.ch: Herr Esteve, für viele ausländische Private-Banking-Kunden war das Bankgeheimnis in der Vergangenheit der Hauptgrund, wieso sie Gelder in die Schweiz transferierten. Die Genfer Privatbanken sind auf das Offshore Banking spezialisiert und von der Anpassung des Bankgeheimnisses an die OECD-Standards besonders stark betroffen. Wie erleben Sie die aktuelle Entwicklung?
Esteve: Tatsache ist, dass wir trotz der verschärften Geheimhaltungsvorschriften noch nie in so starkem Masse gewachsen sind wie im letzten Jahr. Ich glaube, dass diese Tatsache dem seit langem etablierten Ruf der Schweiz als Finanzplatz Rechnung trägt. Die Verwaltung von Vermögen ist ein fester Bestandteil der DNA des Landes und jeder, der über entsprechende Mittel verfügt und diese global anlegen will, wird neben den Bankbeziehungen, die er in seiner Heimat unterhält, auch innerhalb der Schweiz mit einer hiesigen Bank zusammenarbeiten wollen.
|
|||
Ihre Bank eröffnete vor kurzem in Sao Paulo das erste Office in Lateinamerika. Weitere Niederlassungen folgen. Worauf fokussiert sich die neu gegründete Niederlassung?
Esteve: Im Mittelpunkt unserer Geschäftstätigkeit in Sao Paolo steht zunächst einmal nur das Merchant Banking. Im Zuge unserer Partnerschaft mit Surinvest planen wir jedoch, in Montevideo auch Private Banking anzubieten.
Herr Ledermann, wie beurteilen Sie die globale Wirtschaft?
Ledermann: Es ist deutlich spürbar, dass sich die Weltwirtschaft wieder erholt. Alle kürzlich durchgeführten makroökonomischen Statistiken weisen in diese Richtung und fast überall hat sich die Stimmung verbessert. Dies wird auch sowohl durch das Verbrauchervertrauen als auch durch Unternehmensumfragen bestätigt. Thema für 2010 wird eine nachhaltige Erholung sein, während die Wirtschaftssysteme sich weg von einer vermehrt staatlichen Einmischung und zurück zu einer Normalität, in der der private Sektor wieder die Führungsrolle übernimmt, hinbewegen. Sowohl ein Anstieg der Beschäftigung (den wir bereits jetzt in den Vereinigten Staaten feststellen können), als auch erneut ansteigende Investitionsausgaben bei Unternehmen werden hier als Schlüsselsignale festzustellen sein. Wir glauben, dass dieser Wandel die grosse Herausforderung der Jahre 2010 und 2011 darstellt.
Blicken wir auf die Wertpapiermärkte. Alle Börsenbarometer sind im letzten Jahr mehr oder weniger kräftig gestiegen. Geht dieser Trend weiter oder sind 2010 Rückschläge zu erwarten?
Ledermann: In den Jahren 2008 und 2009 waren die Wertpapiermärkte extrem starken Schwankungen in beide Richtungen unterworfen. Der extreme Aufschwung des Jahres 2009 konnte jedoch die Verluste des Jahres 2008 nicht auffangen. 2010 wird weniger dramatisch verlaufen als die beiden vorhergehenden Jahre, aber vorherrschendes Thema im Bereich der Aktienmärkte wird sein, zu einer Form der Normalität zurückzukehren. Während dieser Übergangsphase rechnen wir mit einigen Rückschlägen, was in Anbetracht der Tatsache, dass jedes Land seine eigene Realität hat, vollkommen klar ist. Daher erwarten wir auch keinen reibungslosen und aufeinander abgestimmten Ablauf. Daraus könnte sich jedoch ein interessantes Potenzial an den Aktienmärkten ergeben.
Welche Anlageklassen wie Aktien, Obligationen oder Rohstoffe finden Sie reizvoll - welche eher ein «No-Go»?
Ledermann: Aktien werden immer interessanter. Auch an einigen ausgewählten Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen mancher Schwellenländer besteht ein zunehmendes Interesse. Schatzanweisungen in den entwickelten Ländern sind teuer und von geringem Interesse, während auf den Rohstoffmärkten Gold, Öl und Ölprodukte unserer Meinung nach besonders im Blickpunkt stehen.
Blicken wir auf die Rohstoffe: Gold, Rohöl wie auch andere Rohstoffe haben im 2009 stark zugelegt. Wohin geht die Reise im 2010?
Ledermann: Wir sehen Gold als eine echte Alternative zu den sich verschlechternden Währungen. Der aktuelle Trend der Zentralbanken, ihre Währungen gezielt abzuschwächen (wie z. B. den US-Dollar und neuerdings auch den Yen) um dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, verschafft dem Gold eine höhere Wichtigkeit, was sich allen Erwartungen nach durch eine Wertsteigerung zum Ausdruck bringen wird.
US Dollar: Quo vadis?
Ledermann: Der Dollar hat vorübergehend seine rückläufige Tendenz beendet und stabilisiert sich momentan mit der Möglichkeit einer Wertsteigerung innerhalb der nächsten 3-6 Monate. 2009 gab es eine gewisse Bewegung hin zum Yen, jedoch ist der Aufschwung in den USA im Vergleich zu Europa und Japan immer noch am stärksten.
Herr Esteve, Barack Obamas Slogan lautet: «Change - Yes we can!» Herr Estevez, wie lautet Ihr Slogan?
Esteve: Mein Slogan für Banque Heritage wäre “gleichgerichtete Interessen”. Wir sitzen wirklich auf derselben Seite des Tischs wie unsere Kunden.
Wir leben in einer sehr dynamischen und veränderungsreichen Zeit. Womit bringen Sie den Begriff «Change» in Verbindung?
Esteve: In jüngster Zeit wurden deutliche Veränderungen immer vom Kapitalismus angetrieben – meine Hoffnung ist, dass in Zukunft der Wandel verstärkt von menschlichen Qualitäten geprägt wird.
Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen «Change» würden Sie realisieren?
Esteve: Wirksame politische Systeme um eine notwendige Veränderung in der Welt herbeizuführen.
Vielen Dank für das Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Januar 2010
Hager: «Schweiz ist drittgrösster Handelspartner Österreichs»
change.ch: Frau Hager, Sie sind seit einem Jahr als Konsulin für Handelsangelegen-heiten in Zürich tätig. Wie fühlen Sie sich in der Limmatstadt?
Ich schätze die hohe Lebensqualität Zürichs, sie bietet alle Vorteile einer internationalen «kleinen Grossstadt».
change.ch: Was genau ist die Aufgabe einer Konsulin für Handelsange-legenheiten?
Hager: Sie ist die offizielle Vertreterin der österreichischen Wirtschaft, in meinem Fall in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Ziel ist die Förderung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Wir unterstützen jährlich über 1’400 heimische Unternehmen beim Markteintritt und –ausbau.
change.ch: Sind sie nun Diplomatin oder Vertreterin der österreichischen Wirtschaftskammer?
Hager: Beides: ich bin Mitarbeiterin der Wirtschaftskammer Österreich, deren gesetzliche Mitglieder alle österreichische Firmen sind. Im Gastland Schweiz bin ich als Diplomatin akkreditiert.
change.ch: Für wen ist es von Vorteil, mit ihrem Büro Kontakt aufzunehmen?
Hager: In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein für alle, die mehr über das Angebot der österreichischen Wirtschaft erfahren wollen. In Österreich für alle Unternehmen, die Informationen über den Schweizer Markt benötigen, individuelles Coaching suchen oder sich für einen unserer Events interessieren.
change.ch: 2009 war ein wirtschaftlich hartes und turbulentes Jahr. Wie hat sich dies auf die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Österreich ausgewirkt?
Hager: Das Nachbarland Schweiz ist trotz leichten Rückganges unserer Exporte zum drittgrössten Handelspartner Österreichs – nach Deutschland und Italien – aufgestiegen. Ein Beweis für unsere wirtschaftliche Verflechtung und verlässliche Partnerschaft «auf Augenhöhe».
change.ch: Was erwarten Sie für 2010?
Hager: Wir erwarten wieder Zuwächse im bilateralen Aussenhandel. Österreich punktet in der Schweiz mit hochwertigen Produkten und Dienstleistungen von Investitionsgütern bis hin zu Lebensmittelspezialitäten aus dem «Feinkostladen Österreich».
change.ch: Frau Hager, herzlichen Dank für das Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Januar 2010