Zeit für mehr Selbstverantwortung
Wir gehen mit falschen inneren Überzeugungen durchs Leben. Als Gefangene unsinniger Regeln unserer Gesellschaft sind wir nicht mehr in der Lage, zu unserer eigentlichen Kraft zu kommen und Verantwortung zu übernehmen. Höchste Zeit für eine Veränderung.
In Zeiten, die uns an die Schattenaspekte unserer Gesellschaft erinnern, wird uns eine Vielzahl heilbringender Werkzeuge angepriesen. In schattenreichen Zeiten ist unser Blick oft getrübt. Noch so gerne sind wir bereit, das zu glauben, was wir gerne hören möchten: Scheinlösungen, die alles wieder so einrichten, wie es zuvor war.
Wir sind Täter, nicht Opfer
«Wenn unser Chef nur etwas menschlicher mit uns umgehen würde, dann wäre die Atmosphäre im Team ganz anders und wir könnten viel besser arbeiten.» So oder ähnlich klingen unsere Entschuldigungen für bestehende Missstände. Anstatt dass wir selbst Verantwortung übernehmen würden, sehen wir uns als Opfer herrschender Umstände.
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Lassen Sie solche Gedanken hinter sich und machen Sie sich bewusst, dass Sie selbst Täterin oder Täter Ihres eigenen Lebens sind. Lösen Sie sich aus der Gefangenschaft veralteter Verhaltenscodes, die Sie daran hindern, das zu sein, wofür Sie – als Individuum oder als Unternehmen – auf dieser Erde sind: um zu erschaffen und die volle Verantwortung für Ihr Schaffen zu übernehmen.
Die Angst vor der eigenen Kraft
Von der ersten Minute unseres Lebens an lernen wir das, was schon unsere Eltern und Grosseltern gelernt haben. Wir lernen, dass wir auf eigene Faust nicht weiter kommen und deshalb auf «bewährte Hilfe» von aussen angewiesen sind. Von uns wird dasselbe verlangt, wie von unserer Elterngeneration auch schon – einfach in einem neuen Kleid. Entsprechend passiv gestalten wir unsere Tage und Jahre.
Mit solch falschen inneren Überzeugungen gehen wir durch unser Leben – Gefangene unsinniger Regeln, die sich immer wieder als «innere Antriebe» manifestieren: kontrollierend, kritisierend und entwertend. Sie verunmöglichen es uns, zu unserer eigentlichen Kraft zu kommen. Überlegen Sie sich, welche Konsequenzen dieses Verhalten für Sie und Ihre Firma hat. Für Ihre Familie und Ihre Kinder. Für die kommenden Generationen.
Nelson Mandela sagte bei seiner Antrittsrede als Präsident 1994: «Unsere grösste Angst besteht nicht darin, machtlos zu sein. Unsere grösste Angst besteht darin, dass wir über alle Masse hinaus mächtig sein könnten. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns ängstigt. Wir fragen uns selbst: Wer bin ich schon, dass ich brillant, grossartig, begabt, fabelhaft sein könnte? Die Frage ist vielmehr: Wie kannst du dir einbilden, dies alles nicht zu sein?»
Betrachten Sie einmal Ihr aktuelles Geschäfts- und Privatleben mit Mandelas Rede im Hinterkopf; als die Person, die all das erschaffen hat. Was nehmen Sie wahr? Betrachten Sie zum Beispiel noch einmal Wort für Wort die Zeitung, die Sie gerade gelesen haben. Lassen Sie noch einmal jede Einzelheit der Nachrichten, die Sie eben gehört haben, Revue passieren und betrachten Sie die Bilder, die vorhin über den Bildschirm geflimmert sind, noch einmal «unter der Lupe». Was Sie da gerade erleben, geschieht mit Ihrer Zustimmung. Mehr noch: Sie sehen sich selber.
Und jetzt fragen Sie sich: «Will ich weiterhin angepasst sein, um wie früher als Kind ein bisschen Liebe zu erhaschen, als gute Schülerin dem Lehrer zu gefallen und dafür gute Noten zu bekommen, von meinem Vorgesetzten befördert zu werden, eine Lohnerhöhung zu erhalten oder einfach nur den Job behalten zu dürfen, weil ich keine Fehler gemacht hab, nichts gewagt und gesagt, und meine natürlichen Impulse todgeschwiegen habe?»
Belohnungen gibt es für bestimmte gesellschaftstaugliche Leistungen und Verhaltensweisen. Bestraft hingegen werden wir, wenn wir aus der Reihe tanzen. Und das passiert ziemlich schnell einmal.
Verantwortung im Alltag
Denken Sie einmal ganz bewusst über Alltägliches nach: Was haben Sie sich für heute vorgenommen? Wird es ein für alle Anwesenden erfolgreiches Meeting? Wird Sie Ihr Partner mit einer plagenden Sorge oder einer erhellenden Freude begrüssen, wenn Sie nach Hause kommen? Was werden Sie morgen tun «müssen» und was «dürfen»? Wer oder was unterstützt oder behindert Sie in Ihrer menschlichen Entfaltung im Moment?
All diese scheinbar harmlosen Fragen über Ihren Alltag bekommen eine ganz andere Dimension, wenn Sie sich als Schöpfer Ihres Alltags betrachten. All die kleinen und grossen Taten in Ihrem Leben sind auch Ihre Schöpfungsakte. Dabei ist jeder Schöpfungsakt einmalig und unwiderruflich. Er entsteht in der Hingabe an den Augenblick. In der Klarheit über ihre Ziele.
Jeder Schöpfungsakt ist äusserst mächtig. Ob Sie sich über den unfähigen Handwerker, über das aggressive Verhalten eines anderen Verkehrteilnehmers, über die Entwicklung der Börsenkurse, über ihr Kind oder ganz einfach über sich selber geärgert haben: jeder Gedanke, den Sie gedacht haben, war einer dieser Schöpfungsakte. Genau so wie der Akt, als Sie einem Mitarbeiter von Herzen das Beste gewünscht haben.
Wahrnehmen – bewusst werden
Der Mangel an Bewusstheit ist in unserer Gesellschaft sehr verbreitet. Viele Menschen werden in der «Schule des Anpassens» unfähig, sich als Schöpfer zu verstehen. Ein entsprechendes Verhalten prägt dann unser Tun und Lassen, auch am Arbeitsplatz. Eine der verheerenden Konsequenzen davon ist Achtlosigkeit.
Bewusstheit beginnt damit, dass Sie wissen, wer Sie selber sind. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, dass Sie Ihre Erkenntnisse transparent mit Ihrer Mitwelt teilen. Daraus entstehen Beziehungen. Ungenügende Aufmerksamkeit und mangelnde Anerkennung sich selber und anderen gegenüber lösen allseitig Sehnsüchte aus. Die daraus entstehende Frustration wird nur allzu oft mit den bekannten Süchten des Alltags bekämpft – ohne den gewünschten Erfolg.
Fragen Sie sich: Wie fühlen Sie sich jetzt gerade? Wie heisst die Mitarbeiterin am Kiosk, bei der Sie üblicherweise Ihre Zeitung, ein Päckchen Zigaretten oder einen Lottoschein holen? Was beschäftigt die Verkäuferin gerade in ihrem Alltag? Und was denkt die Kioskfrau über Sie?
Folgen Sie Ihren Impulsen
Nehmen Sie das, was Ihnen entgegenkommt, an. Lernen Sie als Individuum ebenso wie als Unternehmen, mit dem, was sich Ihnen anbietet, zu arbeiten. Erkennen Sie darin den natürlichen Fluss der Dinge und folgen Sie ihm vertrauensvoll. Die natürlichen Energien finden stets den Ausgleich. Zum Besten des Ganzen. Nutzen Sie die sichere Führung Ihrer Impulse. Lange bevor Sie etwas fühlen – und sehr lange bevor Sie etwas denken – sind diese schon da. Finden Sie den Mut, das loszulassen, woran Sie sich bisher so fest gehalten haben.
Dazu sagt Picasso: «Ich suche nicht – ich finde. Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen und das Finden-Wollen von bereits Bekanntem. Finden, das ist das völlig Neue. Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist ungekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer. Und Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, die in der Ungewissheit, der Führerlosigkeit geführt werden, die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen.»
Jetzt sind Sie gefragt – entscheiden Sie sich für den Weg, auf dem Sie Schöpfer oder Schöpferin Ihres Lebens sind und dafür auch die volle Verantwortung übernehmen wollen.
(*) Marcus A. Schildknecht (www.schildknecht-coaching.ch) begleitet seit über 15 Jahren Führungskräfte und Unternehmen in ihrer persönlichen Entwicklung. Er ist Gestalttherapeut, Coach und Lehrer.
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