Geheimnis des Erfolgs:
«Leidenschaft und Glück»
Thomas Stiefel, Gründer der Portable Shop AG und heutiger Managing Partner der retailpartners ag.
change.ch
Herr Stiefel, wollten Sie schon immer Unternehmer werden oder hat sich diese Laufbahn eher zufällig ergeben?
Als Student stellte ich mir immer vor, später einmal bei einer renommierten Consulting-Firma tätig zu sein. Ich bewarb mich unmittelbar nach Abschluss meines Studiums auch bei einer entsprechenden Firma. Damals zog ich aber auch andere Optionen in Betracht, wie beispielsweise zu doktorieren, ein Masterstudium zu absolvieren oder mit einer Bankkarriere zu beginnen.
Wie sind Sie damals auf die Geschäftsidee für Portable Shop gekommen?
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Die Geschäftsidee für Portable Shop hat sich eigentlich aus einer Nebenbeschäftigung ergeben. Ich hatte damals während eines Bankpraktikums als Nebenverdienst mit einem ehemaligen Studienfreund zusammen Computer aus den USA importiert und an Schweizer Interessenten weiter verkauft.

Das grosse Interesse unserer Kunden an kleinen, transportablen
elektronischen Geräten aus den USA war für uns damals klar zu erkennen.
Definitiv für den Start von Portable Shop hatten wir uns aber erst nach
einer gezielten Reise in die USA entschieden, auf der wir die neusten
PC-Trendshops von New York und Boston genauer angeschaut hatten.
Wie
haben Sie Ihren Gründungspartner gefunden? Was war die grösste
Herausforderung bei der Teambildung und der Aufgabenaufteilung?
Mein
Gründungspartner Guy Thouin und ich kennen uns seit der frühen
Schulzeit. Wir waren damals und sind auch heute noch sehr enge Freunde.
Guy ist ursprünglich Amerikaner und hatte damals bereits einen Teil
seiner Ausbildung und die ersten Jahre seiner beruflichen Karriere in
den USA hinter sich, als bei ihm der Wunsch aufkam, geschäftlich wieder
vermehrt in Europa aktiv zu sein. Zu dieser Zeit hatte er deshalb für
ein Jahr ein Projekt in der Schweiz angenommen, und wir sahen uns
wieder öfter.
Damals entstand die Idee einer Partnerschaft
für eine Import-Export-Firma mit dem Namen PRIMAX AG, die zum Ziel
hatte, interessante Produkte aus den beiden Märkten zu importieren und
zu exportieren. Es zeigte sich aber schnell, dass unser erster
Produktbereich für den Import aus den USA – die portablen Computer – so
Erfolg versprechend war, dass wir uns nach kurzer Zeit allein auf
diesen konzentrierten.
Die Arbeitsteilung ergab sich dann von
selbst, nachdem Guy nach Ablauf seines Schweizer Projekts wieder zurück
nach Boston ging. Er besorgte die Auswahl und den Einkauf der Computer,
und ich eröffnete kurz danach unseren ersten Portable Shop an der
Militärstrasse in Zürich.
Welche Ihrer Fähigkeiten waren gefragt beim Aufbau des Start-up-Unternehmens?
Der
feste Glaube an unsere Geschäftsidee, viel Motivation, positive Energie
und auch eine grosse Portion Geduld und Durchhaltevermögen. Ich
erinnere mich noch lebhaft an die Zeit in unserem ersten kleinen
Verkaufsladen im Kreis 4. Viele meiner Studienfreunde hatten bereits
tolle Jobs bei internationalen Beratungsfirmen und verdienten gut. Ich
war als ausgebildeter Betriebswirt nun PC-Verkäufer in meinem eigenen
kleinen Laden, dessen Betriebskosten natürlich entsprechend tief
gehalten werden mussten. Das Geld für den Einkauf der Lagerware hatten
wir von unseren Vätern geliehen und alles auf eine Karte gesetzt.
Nach
dem Verkauf Ihres Unternehmens an die Jelmoli-Gruppe haben Sie mit dem
Einstieg bei der retailpartners ag eine berufliche Veränderung gewagt.
«Change als Chance»?
Mit der Absicht, mit Portable Shop
rasch zu expandieren, wurde retailpartners bereits 1996 von meinem
damaligen Partner und mir unter dem Namen Display AG gegründet. Diese
Firma blieb auch nach dem Verkauf von Portable Shop in unserem
Eigentum. Zwei Jahre später habe ich dann die Anteile von meinem
Partner abgekauft und die Leitung von retailpartners übernommen. Vor
drei Jahren schliesslich habe ich die retailpartners in die
Andreas-Messerli-Gruppe in Wetzikon integriert. Durch diesen
Zusammenschluss hat sich unser Geschäft vor allem international sehr
erfreulich weiterentwickelt.
Die mit dem Einstieg bei
retailpartners verbundene berufliche Veränderung hat mich persönlich
stark gefordert und weitergebracht. Die Innenarchitektur und
Designszene musste ich zuerst einmal kennen lernen. Die Erarbeitung von
starken Marktpositionierungen für unsere Kunden durch die Entwicklungen
von überzeugenden Raumkonzepten und Point-of-Sales-Lösungen war für
mich eine spannende neue Herausforderung. Durch meine eigene
langjährige Erfahrung als Retail-Unternehmer hatte ich zudem die
Anliegen unserer Kunden gut verstanden und vertreten können.
Pflegen Sie eine spezielle Unternehmenskultur und -führung?
Bei
retailpartners ist mir sehr wichtig, dass alle im Team die grosse
Begeisterung und Initiative für unsere Geschäftsidee, unsere Konzepte
und Lösungen teilen und mittragen können. Wir pflegen eine
Unternehmenskultur mit viel Selbstverantwortung und Eigeninitiative und
stellen selber hohe Erwartungen an uns.
Was denken Sie, was schätzen Ihre Mitarbeiter an Ihnen?
Ich
sehe meine Aufgabe für retailpartners hauptsächlich darin, uns alle
täglich weiterzubringen und gemeinsam Erfolg zu haben. Ich denke,
diesen positiven Drive für die Firma schätzen meine Mitarbeitenden.
Was schätzt Ihr Geschäftspartner an Ihnen?
Ich
meine, dass ich viel Dynamik mit in gemeinsame Projekte einbringe, die
ihre Entwicklung positiv beeinflussen und vorantreiben.
Auch
in diesem für Sie neuen beruflichen Umfeld haben Sie sich während den
letzten Jahren aussichtsreich positioniert: «Change als Erfolg»! Herr
Stiefel, verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolgs.
Wenn
ich für die positive Entwicklung meiner beruflichen Karriere Gründe
finden müsste, würde ich den Erfolg vielleicht am ehesten meiner
Leidenschaft als Unternehmer und Entwickler sowie dem Faktor Glück
zuschreiben. Man darf aber auch nie vergessen, dass nur ein ganzes Team
gemeinsam ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht und niemals eine
einzelnen Person.
Barack Obamas Slogan lautet: «Change – Yes We Can!» Herr Stiefel, wie lautet Ihr Slogan?
Mein Slogan würde lauten: «Change to get ahead».
Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?
Ich
würde mich wohl darauf konzentrieren, dass wir Menschen ein Gefühl und
eine Leidenschaft entwickeln, anders mit unserem Planeten und unseren
natürlichen Ressourcen umzugehen.
Herr Stiefel, vielen Dank für das Interview.
Interview: Zoran Bozanic, Juli 2009