31. Juli 2010
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Geheimnis des Erfolgs:
«Leidenschaft und Glück»

Thomas StiefelThomas Stiefel, Gründer der Portable Shop AG und heutiger Managing Partner der retailpartners ag.

change.ch
Herr Stiefel, wollten Sie schon immer Unternehmer werden oder hat sich diese Laufbahn eher zufällig ergeben?


Als Student stellte ich mir immer vor, später einmal bei einer renommierten Consulting-Firma tätig zu sein. Ich bewarb mich unmittelbar nach Abschluss meines Studiums auch bei einer entsprechenden Firma. Damals zog ich aber auch andere Optionen in Betracht, wie beispielsweise zu doktorieren, ein Masterstudium zu absolvieren oder mit einer Bankkarriere zu beginnen.

Wie sind Sie damals auf die Geschäftsidee für Portable Shop gekommen?

 
   
 

Die Geschäftsidee für Portable Shop hat sich eigentlich aus einer Nebenbeschäftigung ergeben. Ich hatte damals während eines Bankpraktikums als Nebenverdienst mit einem ehemaligen Studienfreund zusammen Computer aus den USA importiert und an Schweizer Interessenten weiter verkauft.


The Portable Shop

Das grosse Interesse unserer Kunden an kleinen, transportablen elektronischen Geräten aus den USA war für uns damals klar zu erkennen. Definitiv für den Start von Portable Shop hatten wir uns aber erst nach einer gezielten Reise in die USA entschieden, auf der wir die neusten PC-Trendshops von New York und Boston genauer angeschaut hatten.

Wie haben Sie Ihren Gründungspartner gefunden? Was war die grösste Herausforderung bei der Teambildung und der Aufgabenaufteilung?

Mein Gründungspartner Guy Thouin und ich kennen uns seit der frühen Schulzeit. Wir waren damals und sind auch heute noch sehr enge Freunde. Guy ist ursprünglich Amerikaner und hatte damals bereits einen Teil seiner Ausbildung und die ersten Jahre seiner beruflichen Karriere in den USA hinter sich, als bei ihm der Wunsch aufkam, geschäftlich wieder vermehrt in Europa aktiv zu sein. Zu dieser Zeit hatte er deshalb für ein Jahr ein Projekt in der Schweiz angenommen, und wir sahen uns wieder öfter.

Damals entstand die Idee einer Partnerschaft  für eine Import-Export-Firma mit dem Namen PRIMAX AG, die zum Ziel hatte, interessante Produkte aus den beiden Märkten zu importieren und zu exportieren. Es zeigte sich aber schnell, dass unser erster Produktbereich für den Import aus den USA – die portablen Computer – so Erfolg versprechend war, dass wir uns nach kurzer Zeit allein auf diesen konzentrierten.

Die Arbeitsteilung ergab sich dann von selbst, nachdem Guy nach Ablauf seines Schweizer Projekts wieder zurück nach Boston ging. Er besorgte die Auswahl und den Einkauf der Computer, und ich eröffnete kurz danach unseren ersten Portable Shop an der Militärstrasse in Zürich.

Welche Ihrer Fähigkeiten waren gefragt beim Aufbau des Start-up-Unternehmens?

Der feste Glaube an unsere Geschäftsidee, viel Motivation, positive Energie und auch eine grosse Portion Geduld und Durchhaltevermögen. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Zeit in unserem ersten kleinen Verkaufsladen im Kreis 4. Viele meiner Studienfreunde hatten bereits tolle Jobs bei internationalen Beratungsfirmen und verdienten gut. Ich war als ausgebildeter Betriebswirt nun PC-Verkäufer in meinem eigenen kleinen Laden, dessen Betriebskosten natürlich entsprechend tief gehalten werden mussten. Das Geld für den Einkauf der Lagerware hatten wir von unseren Vätern geliehen und alles auf eine Karte gesetzt.
 
Das Team von Retailpartners AGNach dem Verkauf Ihres Unternehmens an die Jelmoli-Gruppe haben Sie mit dem Einstieg bei der retailpartners ag eine berufliche Veränderung gewagt. «Change als Chance»?

Mit der Absicht, mit Portable Shop rasch zu expandieren, wurde retailpartners bereits 1996 von meinem damaligen Partner und mir unter dem Namen Display AG gegründet. Diese Firma blieb auch nach dem Verkauf von Portable Shop in unserem Eigentum. Zwei Jahre später habe ich dann die Anteile von meinem Partner abgekauft und die Leitung von retailpartners übernommen. Vor drei Jahren schliesslich habe ich die retailpartners in die Andreas-Messerli-Gruppe in Wetzikon integriert. Durch diesen Zusammenschluss hat sich unser Geschäft vor allem international sehr erfreulich weiterentwickelt.
 
Die mit dem Einstieg bei retailpartners verbundene berufliche Veränderung hat mich persönlich stark gefordert und weitergebracht. Die Innenarchitektur und Designszene musste ich zuerst einmal kennen lernen. Die Erarbeitung von starken Marktpositionierungen für unsere Kunden durch die Entwicklungen von überzeugenden Raumkonzepten und Point-of-Sales-Lösungen war für mich eine spannende neue Herausforderung. Durch meine eigene langjährige Erfahrung als Retail-Unternehmer hatte ich zudem die Anliegen unserer Kunden gut verstanden und vertreten können.

Pflegen Sie eine spezielle Unternehmenskultur und -führung?

Bei retailpartners ist mir sehr wichtig, dass alle im Team die grosse Begeisterung und Initiative für unsere Geschäftsidee, unsere Konzepte und Lösungen teilen und mittragen können. Wir pflegen eine Unternehmenskultur mit viel Selbstverantwortung und Eigeninitiative und stellen selber hohe Erwartungen an uns.

Was denken Sie, was schätzen Ihre Mitarbeiter an Ihnen?

Ich sehe meine Aufgabe für retailpartners hauptsächlich darin, uns alle täglich weiterzubringen und gemeinsam Erfolg zu haben. Ich denke, diesen positiven Drive für die Firma schätzen meine Mitarbeitenden.

Was schätzt Ihr Geschäftspartner an Ihnen?


Ich meine, dass ich viel Dynamik mit in gemeinsame Projekte einbringe, die ihre Entwicklung positiv beeinflussen und vorantreiben.

Auch in diesem für Sie neuen beruflichen Umfeld haben Sie sich während den letzten Jahren aussichtsreich positioniert: «Change als Erfolg»! Herr Stiefel, verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolgs.


Wenn ich für die positive Entwicklung meiner beruflichen Karriere Gründe finden müsste, würde ich den Erfolg vielleicht am ehesten meiner Leidenschaft als Unternehmer und Entwickler sowie dem Faktor Glück zuschreiben. Man darf aber auch nie vergessen, dass nur ein ganzes Team gemeinsam ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht und niemals eine einzelnen Person.

Barack Obamas Slogan lautet: «Change – Yes We Can!» Herr Stiefel, wie lautet Ihr Slogan?

Mein Slogan würde lauten: «Change to get ahead».

Schliesslich unsere «Change»-Frage: Wenn Sie alle Macht der Welt hätten, welchen globalen «Change» würden Sie realisieren?

Ich würde mich wohl darauf konzentrieren, dass wir Menschen ein Gefühl und eine Leidenschaft entwickeln, anders mit unserem Planeten und unseren natürlichen Ressourcen umzugehen.

Herr Stiefel, vielen Dank für das Interview.

 

Interview: Zoran Bozanic, Juli 2009